Rauenthaler Traditionsverein e.V.
Rauenthaler Traditionsverein e.V.

Chronik Rauenthal

von 1274 bis heute...

 

 

Die Rauenthaler Chronik
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Vorwort

 

Diese Festschrift wurde erstellt anlässlich der 750 Jahrfeier unseres Ortes im Jahre 2024. Sie versteht sich als ein Beitrag zu der Geschichte Rauenthals und als Anregung für eine Fortschreibung in der Zukunft.

 

Mitglieder des Ortsvereinsrings Rauenthal sammelten für das vorliegende Buch Texte, Bilder und Schriften rund um das Thema „Rauenthal – aus 750 Jahren Geschichte“.

 

Erstmals am 12. März 1274 in einer Urkunde erwähnt, entwickelte sich das romantische Bergdörfchen – vor allem dank des hervorragenden Weines – zu einem erfolgreichen Ort, der weit über die Grenzen des Rheingaus hinaus bekannt wurde. Endstanden ist eine umfangreiche Sammlung von historischen Quellen, Geschichten und Anekdoten, gespickt mit vielen Informationen und Bildern aus vergangenen und neuen Zeiten.

 

Ein Anspruch auf wissenschaftliche und inhaltliche Vollständigkeit besteht nicht. Insbesondere das vielfältige Rauenthaler Vereinsleben, die Entwicklung von Handwerk, Gewerbe und Gastronomie bedarf einer ausführlicheren Darstellung. Somit sind Sie, liebe Leserinnen und Leser, dazu eingeladen, diese Chronik durch ergänzende Anregungen, Beiträge und Korrekturen zu vervollständigen.


Die Chronik wird deshalb auch in digitaler Form gestaltet werden, so dass für alle interessierten Bürgerinnen und Bürger ein virtueller Zugang zu unserer Dorfgeschichte gewährt und somit ermöglicht wird, die Darstellung fortwährend durch neue Beiträge zu erweitern.

 

Darauf freuen wir uns.

Ihr Redaktionsteam.

 

 

Rauenthal – Ein historischer Überblick

 

Jungsteinzeit

Erste Ackerbauer und Viehzüchter

 

Bereits in der Jungsteinzeit, dem sogenannten Neolithikum, soll die Ebene von der heutigen Waldgrenze im Norden vom Bereich der Grillhütte und des Sportplatzes bis zur aktuellen Wohnbebauungsgrenze am Ende der Jahnstraße für den Ackerbau genutzt worden sein. Die Zeit, von der wir hier sprechen, liegt in etwa zwischen 5.800 und 4.000 v. Chr. Besiedlungsspuren konnten aber nicht gefunden werden. Das Neolithikum oder die Jungsteinzeit ist jedoch die Epoche der Menschheitsgeschichte, die als Übergang von Jäger- und Sammlerkulturen zu Hirten- und Bauernkulturen definiert wird. Somit liegt eine „gewisse Wahrscheinlichkeit“ dafür vor, dass hier eine befestigte Niederlassung der neolithischen Kultur anzunehmen ist. Sie kann aber unter Umständen auch später den Kelten wieder als Wohnstätte gedient haben, auf deren Grabhügel wir nun zu sprechen kommen.

 

Die Keltengräber[1]

  

Erste Nachweise menschlicher Spuren in der Gegend unseres Dorfes Rauenthal sind über 2000 Jahre alt.

 


Bei der Anlage des Rauenthaler  Waldsportplatzes fanden sich insgesamt zehn keltische Gräber aus der Zeit zwischen 450 - 250 v. Chr., der sogenannten Frühlaténe-Zeit. Zahlreiche Grabbeigaben, die sich heute im Wiesbadener Landesmuseum befinden, konnten sichergestellt werden. Die zahlreichen Gräber an dieser Stelle lassen vermuten, dass die Kelten als erste hier Ackerbau betrieben haben.


Wo die Siedlungen der Leute, die hier ihre Toten an diese alte Straße betteten, lagen, ist wie meistens bei Grabhügeln auch hier noch unbekannt. Sie werden sich unweit an den Hängen des Höhenrückens befunden haben, von wo aus in unmittelbarer Nähe Ackerwirtschaft und zugleich Weidewirtschaft im Grund der begleitenden Wiesentäler der Walluf und des Sülzbaches möglich waren.

 

 

Der gemeyne Weg – eine uralte Fernstraße

 

„Von der alten Rheinübergangsstelle unterhalb des Steinheimer Hofes, [...] erklimmt eine früh befahrene Rhein-Lahn-Verbindung durch die Steinheimer Hohl an dem genannten Gehöft vorbei die „Grossehub“ und damit den Rücken zwischen Walluf und Sülzbach. Der Weg zieht weiter hinauf durch den heutigen Ort Rauenthal, der auf dem Kamm zwischen beiden Tälern liegt, und erreicht in 286,5 Meter Höhe im Sattel zwischen Dreibornsköpfe und Hansenkopf
(„Grüne Bank“) den Gebirgsweg, die „Hohe Straße“. Diese führt von hier aus auf dem höchsten Rücken zwischen Aar und Wisper nach Kemel und schließt an diesem römischen Kastellort, die „Bäder“ –und an die „Kemel-Limburger“ Straße [...] an. In dieser Fernverbindung liegt die Bedeutung des Weges vom Rhein herauf.“[2]

 

Nach dem großen zeitlichen Sprung von der Jungsteinzeit zu der Laténe-Zeit nun ein historisch kleinerer Schritt, gewissermaßen nur eine Änderung der Blickrichtung. Die Römer, sie nannten die Kelten „Gallier“, legten in den von ihnen besetzten Gebieten Kastelle an und schufen oder nutzten Wege und Straßen zwischen ihnen. Und damit schließen wir nahtlos an die soeben geschilderte Rhein-Lahn-Verbindung an. Der heute z. T. noch so genannte „gemeyne“-Weg diente auch den Römern nachweislich als Verbindung zwischen den Kastellen am Rhein und dem Kastell bei Kemel.

 

Für Rauenthal hat der große Überlandsweg darum seine weittragende Bedeutung, weil hier oben die erste Möglichkeit zum Rasten bestand. Folgen wir gedanklich diesem zunächst anstrengenden Weg die Weinberge hoch, dann durch die heutige Reitschulgasse und den Anfang der Hauptstraße hinunter, dann stoßen wir hier erstmals auf eine ebene Fläche. Hier bietet es sich an zu rasten, vor allem, weil es von nun an gleich wieder stetig ansteigend bis zur „Grünen Bank“ hinauf geht. An diesem Straßenstück befinden sich auch in unserer Zeit wohl nicht zufällig die Nachfolger dieser Raststätten: der „Nassauer Hof“, das heutige Kultur- und Tagungshaus, der „Langehof“ das Gasthaus „Engel“, der „Rheingauer Hof“ und das Weingut „Hof St. Johannes“. Hier konnte man sich von den Strapazen des Aufstiegs vom Rhein herauf erholen und für die nächste Steigung neue Kraft schöpfen. Sie beginnt allmählich bei der Winzerhalle, geht über die Jahnstraße, früher Portengasse, entlang und dann die Strecke über die „Große Straße“, am bereits erwähnten Waldsportplatz und den Keltengräbern vorbei und hoch über die „Grüne Bank bis zur „Förster-Bitter-Eiche“. Lehmann schreibt dazu in seiner Rauenthaler Chronik[3]: „In Hinblick auf diesen Wegeverlauf darf nun offen die Frage gestellt werden, ob der Siedlungsplatz des mittelalterlichen Rauenthals nicht doch durch einen Rastplatz aus früherer Zeit vorbestimmt gewesen sei. Die Urkunden schweigen darüber, während die Vermutungen aus den verkehrs- und wirtschaftsgeographischen Gründen [...] dafürsprechen.“


Leider finden sich weder von den Kelten noch von den Römern weitere Siedlungsspuren, so dass wir gleich einen zeitlichen Sprung bis kurz vor das Jahr 1000 n. Chr. machen. Doch zunächst zu dem Namen unseres Dorfes.

 

Rauenthal – Der eigentümliche Name eines Dorfes auf einer Höhe

 

Bevor der Name Rauenthal erstmals in einem historischen Dokument erwähnt wird, ist bereits die Lagebezeichnung einer unserer Weinberge aktenkundig. Im Oculus Memorie, einem Besitzstandsverzeichnis des Klosters Eberbach, wird im Jahre 1211 der Rotenberg genannt, der zuvor von Mönchen und Arbeitern gerodet worden war. Die Rodungen der bewaldeten Südhänge des Rauenthaler Berges, ostwärts der Nonnenberg und westwärts die übrigen heute bekannten Rauenthaler Weinlagen, dauerte wohl Jahrzehnte, wenn nicht sogar ein Jahrhundert und ging im Mittelalter nur mit großem und mühevollem Einsatz von Menschen und Tieren vonstatten. Blicken wir nun von Süden, aus Richtung des Rheins, hoch zur Bubenhäuser Höhe und nehmen die gesamte Ausdehnung des Rauenthaler Berges und seiner östlichen und westlichen Begrenzungen durch die beiden Täler wahr.

 

Das feuchte Tal der Walluf im Osten war durch die Mäander des Baches landwirtschaftlich kaum zu nutzen, allenfalls als Weidefläche. Gleiches galt für das Sülzbachtal und den Großen Buchwaldgraben im Westen. Für dauerhafte menschliche Ansiedlungen und für den Ackerbau waren beide Täler ungeeignet. Sie galten als wild, was durch das mittelalterliche Wörtchen rau bezeichnet wurde. So erhielt zunächst der Berg seinen Namen: Rauent
haler Berg, der Berg zwischen zwei rauen Tälern. In den ersten Jahren wurden die Weinberge von Eltville aus bewirtschaftet und der tägliche Weg die Anhöhen hinauf mag die Menschen bewogen haben, sich zunächst auf der Ebene jenseits der Bubenhäuser Höhe anzusiedeln, also westlich des Standorts unseres heutigen Weinstandes. Was lag also näher als dieser Siedlung den Namen des Berges zu geben und sie Rauenthal zu nennen? Dies ist eine einleuchtende und nachvollziehbare Erklärung für den Namen unseres Dorfes. Die übrigen Versuche den Namensteil -thal eines Dorfes, das unübersehbar auf einem Berg liegt, zu erklären, sind weniger logisch. Wenig nachvollziehbar ist auch, warum sich Menschen ohne Not im unwirtlichen Walluf- oder gar Sülzbachtal angesiedelt und dann mit Wechsel ihrer Wohnsitze auf den Berg den ursprünglichen Namen mitgenommen haben sollten. Ebenso fraglich, aber eher verständlich, ist die Vorstellung, dass von der nördlich gelegenen „Grünen Bank“ kommend, die heutige Lage des Dorfes in einem Bergsattel als Tal wahrgenommen werden kann und dies den Namen erklärt; offen bleibt dann aber, woher dieses Tal dann den Zusatz rau erhalten haben soll. Feststeht, dass alle unterschiedlichen mittelalterlichen Schreibweisen wie Ruindal, Ruwendal etc. immer die gleiche Bedeutung nämlich Rauenthal oder lateinisch vallis aspera haben.

 

 

Der Rheingau und die Veroneser Schenkung

 

Die Geschichte Rauenthals bliebe unvollständig, ohne einen Blick auf die Region Rheingau zu werfen. Im alten Frankenreich vom 5. bis ins 9. Jahrhundert war der Rheingau ein Gau, der im Auftrag des Königs von den Rheingrafen verwaltet wurde. In seiner ursprünglichen Ausdehnung umfasste er auch den späteren Unterrheingau, der in der Folge den Namen Rheingau behielt.

 

In der karolingischen Zeit (751 –911) geriet der Rheingau zunehmend unter Einfluss des Erzbistums Mainz. Die Gebiete beiderseits der unteren Nahe sowie der rechtsrheinische Rheingau waren Grundlage für einen Teil des späteren Kurstaates (Kurmainz), über den der Erzbischof als Landesherr regierte. Er drängte den Einfluss der Rheingrafen nach und nach zurück. Die Erzbischöfe brachten die lokalen Adligen zunehmend in ihre Abhängigkeit. Unter Erzbischof Adalbert I. besaß Kurmainz ab 1130 die uneingeschränkte Herrschaft über den Rheingau. Als Verwaltungseinheit bestand in Kurmainz das Vizedomamt Rheingau. Ein wichtiges Instrument der Durchsetzung Mainzer Politik im Rheingau war die Gründung von Klöstern. Die ersten der rund ein Dutzend waren Johannisberg (zwischen 1106 und 1108), Eberbach (erstmals 1116) und Mittelheim (1158). Die unter Erzbischof Balduin begonnene Kurfürstliche Burg Eltville entwickelte sich zu einer wichtigen Residenz der Erzbischöfe. Der Erzbischof von Mainz hatte bereits zu karolingischer Zeit Rechte im Rheingau erworben. Mit der Veroneser Schenkung entstand 983 ein geschlossenes Herrschaftsgebiet. Im Jahr 983 nahm der Mainzer Erzbischof Willigis am Reichstag Ottos II. in


Verona teil, wo ihm dieser am 14. Juni die sogenannte Veroneser Schenkung machte. Die Schenkung sprach dem Erzbistum Gebiete von Ingelheim bis nach Heimbach und vom Elzbächlein bei
Oestrich bis Lorch zu. Die Mainzer Erzbischöfe gehörten zu dieser Zeit als Kurfürsten und Reichserzkanzler zu den einflussreichsten Männern des Heiligen Römischen Reiches

 

Mit Hrabanus Maurus ist 850 erstmals ein Mainzer Erzbischof erwähnt, der im Rheingau über eine Residenz verfügte. Die Rolle als Reichspolitiker fiel zumindest im Mittelalter jedem der Mainzer Erzbischöfe zu. Das war schon darin begründet, dass sich im Reich hinsichtlich der Thronfolge nie ein Geblütsrecht durchsetzen konnte, der neue König also immer von den Fürsten gewählt werden musste. Der Mainzer Erzbischof gehörte zum Kreis der sieben Kurfürsten, denen dieses Wahlrecht ausschließlich zukam. Er galt formal als ranghöchster Reichsfürst, der die Wahl einzuberufen und zu leiten hatte. In der Veroneser Schenkungsurkunde ist nur ein Teil des heutigen Rheingaus aufgeführt, nämlich nur vom Elsterbach bei Winkel bis Lorch. In den folgenden Jahrhunderten erwarb das Erzbistum Mainz aber auch die übrigen Rheingauer Gebiete. Dieses Gebiet galt es nun einmal vor Überfällen zu schützen und zum anderen auch zu verhindern, dass nach Norden führende Handelswege genutzt werden, um die lukrativen Rheinzölle zu umgehen.

 

 

Die Grenzbefestigung -

Das Rheingauer Gebück

 

Der Rheingau war 600 Jahre lang bis zum Ende des 18. Jahrhunderts vom Rheingauer Gebück, einer aus „gebückten“ Buchen bestehenden natürlichen Grenzbefestigung umschlossen. Mit dem Gebück wird der Rheingau in seinen eigentlichen Grenzen zum ersten Mal in der Geschichte topographisch deutlich. Mit dem zunehmenden Aufbau der erzmainzischen Landesherrschaft über den Rheingau, die im 12. Jahrhundert unter Erzbischof Adalbert I. von Saarbrücken (1111–1137) als weitgehend abgeschlossen und gesichert gelten kann, verband sich im Rheingau die intensive und systematische Verbesserung alter Grenzbefestigungen. So entstand das Gebück, bestehend aus einem 50–60 Meter breiten Waldstreifen von Buchen, Eichen und vor allem Hainbuchen. Die Bäume wurden in wechselnder Höhe über dem Boden abgekappt. Die neu ausgeschlagenen Zweige kreuz und quer zur Erde ‚gebückt‘ und eng untereinander verflochten. Zusätzlich angepflanzte oder wild wachsende Brombeer- und Schwarzdornsträucher machten ein Durchqueren der stellenweise bis zu 100 Meter breiten grünen Mauer gänzlich unmöglich. Nur vereinzelte bewehrte Tore, wie z. B. die Klinger Pforte (1822 abgerissen), ermöglichten den Durchgang.

 

Die Flanken waren durch ein gut ausgebautes Wegesystem verbunden, das die schnelle Truppenverlegung sicherstellte. Bau, Instandhaltung und Verteidigung oblag den auch militärisch geschulten und stets gerüsteten Männern des nächstgelegenen Ortes und somit waren die Rauenthaler unter anderem auch verantwortlich für die Bemannung der Klinger Pforte. Die Bedeutung, die das Gebück für den Schutz der Rheingauer hatte, wird deutlich, wenn wir die Besiedlung zweier Nachbarorte in den Blick nehmen. Zunächst befanden sich die ganzen links der Walluf gelegenen Gemarkungen Niederwallufs und Neudorfs außerhalb des Gebücks. Es ist eine kulturgeschichtlich sehr interessante Erscheinung, dass der heute vornehmlich auf der rechten Seite der Walluf liegende Ort Niederwalluf in früherer Zeit wesentlich auf der linken Seite des Baches lag, wo heute noch die Reste der Johanniskirche zu sehen sind. Ebenso das links der Walluf gelegene Dorf Rode, das im Mittelalter völlig in das jenseits des Baches gelegene Martinsthal aufgegangen ist und den Namen Neudorf annahm. Diese Verlegung beider Orte auf die andere Seite der Walluf ist zweifellos erfolgt, nachdem die Bewohner, durch Schaden klug geworden, den hohen Wert der Landwehr für den Schutz der dahinter gelegenen Orte kennen gelernt hatten.

 

 

 

Das Gebück folgte dem Westufer der Walluf von Niederwalluf aus nordwärts über Oberwalluf, Neudorf (späteres Martinsthal) und Tiefenthal, bis es im heutigen Schlangenbad am „Warmen Bach“ in westlicher Richtung abbog und knapp nördlich des Taunushauptkamms oberhalb des Ortsrandes von Hausen vor der Höhe und von Hof Mappen zu der als Sieben Wegweiser bekannten Kreuzung führte. Hier erfolgte eine Richtungsänderung in nordwestliche Richtung zum Weißen Turm bei Presberg und zur Kammerburg an der Wisper. Bei Burg Rheinberg ging das Gebück wieder in westlicher Richtung weiter südlich an Hof Oders und an Sauerthal vorbei, erreichte im Niedertal die Grenze zum kurpfälzischen Kaub und endete schließlich nach etwa 40 Kilometern am Rhein nördlich von Lorchhausen. Mit dem Aufkommen mauerbrechender Waffen nahm die Bedeutung dieser Form der Grenzbefestigung ab. Trotzdem ist es erstaunlich, wie effektiv das Rheingauer Gebück die in ihm gelegene Landschaft und seine Bewohner von seiner weitgehenden Fertigstellung im 12. Jahrhundert an rund 600 Jahre lang geschützt hat.

Erst 1771 wurde es nach einem entsprechenden schriftlichen Befehl des Mainzer Erzbischofs Emmerich Joseph von Breidbach zu Bürresheim (1763–1774) aufgegeben und weitgehend gerodet. So sind heute nur noch vereinzelte, entsprechend alte Buchen und von den steinernen Bollwerken allein Reste der so genannten Mapper Schanze im Wald über Hallgarten erhalten. Dabei handelt es sich um ein in seiner heutigen Form 1494 erbautes Rundtor. Es diente zur Verteidigung des von Stephanshausen zur Nordgrenze heraufführenden Weges. Das Tor war von einem mit Schießscharten und einem Kuppeldach versehenen Rundturm flankiert, auf dem ein viereckiger Spitzturm saß, welcher der Kontrolle und Beobachtung des Weges diente. Die übrigen steinernen Wehranlagen wurden nach der Aufgabe des Gebücks zwar teilweise noch einige Zeit zivil genutzt, aber schließlich als Quelle billigen Baumaterials nahezu restlos abgetragen. So auch die Klinger Pforte, die der Rauenthaler Portengasse, der heutigen Jahnstraße, ihren Namen gab. In Walluf wurden 2014 bei Ausschachtungsarbeiten Reste des ehemaligen Bollwerkes Backofen freigelegt. Ein Teil eines Gewölbebogens soll für die Nachwelt erhalten bleiben.

 

 

Rheingauer Weistum von 1324

Die Rheingauer Freiheit

 

Das Rheingauer Weistum von 1324 sprach den Einwohnern des Rheingaus Privilegien zu, die denen der Städte nahekamen (Stadtluft macht frei). Die Rheingauer galten schon lange, bevor sie durch die Veroneser Schenkung Kaiser Ottos II. im Jahre 983 an das Erzbistum Mainz kamen, als Königsfreie. Diese auf Königshöfen ansässigen Freibauern waren unmittelbar zu Diensten für König und Reich verpflichtet und darum mit besonderen Freiheiten begabt. Die Kaiserliche Schenkung des Rheingaues an das Erzstift schränkte von diesen Freiheiten nichts ein; darum hießen die Rheingauer wie die Mainzer Bürger im Hochmittelalter immer „liberi homines beati Sancti Martini“ „Freie Bürger des guten St. Martin“.[4]

Mit dem Reichsdeputationshauptschluss und der Auflösung des Kurstaates kam das Vitztumamt Rheingau 1803 an Nassau-Usingen und war zur Zeit des Herzogtums Nassau in die Ämter Eltville und Rüdesheim gegliedert. Dort und ab 1806 im Herzogtum Nassau, wurde zunächst die Verwaltungsstruktur bestehend aus dem Vizedomamt Rheingau und den Amtskellereien Eltville und Rüdesheim aufrechterhalten. Die Nachfolgeorganisationen waren die nassauischen Ämter Eltville und Rüdesheim. Eine übergeordnete Verwaltungseinheit, die den ganzen Rheingau und andere Gebiete umfasste, wurde erst wieder von 1849 bis 1854 in Form des Kreisamtes Rüdesheim und ab 1867 mit dem Rheingaukreis geschaffen. Nach der Annexion des Herzogtums durch das Königreich Preußen wurde im März 1867 der Rheingaukreis als Landkreis im Regierungsbezirk Wiesbaden der preußischen Provinz Hessen-Nassau geschaffen. Nach einer Teilung des ursprünglichen Großkreises im Jahr 1886 war das verbliebene Gebiet des Rheingaukreises identisch mit dem Rheingau zu kurmainzischer Zeit.

 

 

Rauenthal –Der Anfang

 

Etwa um die gleiche Zeit wie die Entstehung des Rheingauer Gebücks im 12. Jahrhundert haben sich vermutlich auch die ersten Rauenthaler zunächst kurz unterhalb der Bubenhäuser Höhe und später dann um den heutigen Ortskern angesiedelt. Der gesamte Rauenthaler Berg beginnend vom Nonnenberg und Rotenberg im Osten bis zum Baiken nach Westen hin wurde gerodet, um Weinreben anzupflanzen. Zunächst geschah dies noch von Eltville aus, aber sicher schon nach ein paar Jahren dürften die ersten Unterkünfte der Arbeiter und ihrer Familien hinter der Bubenhäuser Höhe entstanden sein, da der tägliche Weg von Eltville herauf doch recht beschwerlich war. Vielleicht gab es aber auch am gemeynen Weg in der heutigen Ortsmitte ebenfalls schon Gebäude wie die dort vermutete Raststätte.

 

Wie zuvor bereits erwähnt, erwarb das Erzbistum Mainz in den Jahrhunderten nach der Veroneser Schenkung weitere Teile des Rheingaus.

 

Das Mainzer Domkapitel unter Probst Siegfried erstellte am 25. März 1274 eine beurkundete Liste[5] mit den Neuerwerbungen die Erzbischof Werner von Eppstein (* um 1225; + 2. April 1284), Erzkanzler des Heiligen Römischen Reiches dem Kurfürstentum eingebracht hatte. Es handelt sich um Mühlen, Weinberge, Zehntzahlungen und ganze Dörfer. Hier findet sich auch die erste nachweisliche Erwähnung von Rauenthal.

Diese Aufstellung ist in Gotischen Minuskel geschrieben, eine Schrift, die zwischen dem 11. und 13. Jahrhundert verwendet wurde. Das Dokument ist in lateinischer Sprache verfasst.

 

 

 

 

In der 8. Zeile ist zu lesen. Item villam Ruindal redemit a.. relicta Nicolay de Sarpenstein., auf Deutsch: Ebenso hat er das Dorf Rauenthal von der Witwe des Nikolaus von Scharfenstein zurückgekauft. Die Transkription des Textes in heutige Schrift und die Übersetzung aus dem Lateinischen hat Archivoberrat a. D. Dr. Hartmut Heinemann dankenswerterweise für den Rauenthaler Traditionsverein e. V. angefertigt.

 


Ein „Werner-Pfennig“ von 1274

 

Leider bleibt es hier nur bei der alleinigen Erwähnung unseres Dorfes. Wir erhalten keine Information darüber, wann diese Erwerbung stattfand oder wie lange das Dorf Rauenthal zu dieser Zeit schon bestand. Nach allgemein anerkannter Übereinstimmung in der
Geschichtswissenschaft ist jedoch die Ersterwähnung gleichsam die Geburtsstunde einer Ortschaft.

 

Wieso hatte Nikolaus von Scharfenstein Rauenthal in seinem
Besitz? Hat er es vielleicht als Lehen erhalten?

Etwa 60 Jahre später hat jedenfalls ein Ritter gleichen Namens, vielleicht ein Enkel, sein Patronatsrecht über die Rauenthaler Michaelskapelle erfolgreich gegen die Ansprüche des Mainzer Peterstifts verteidigt.

 

 

 

 

 

Weinbau

 

Rauenthal wurde ausschließlich wegen des Weinbaus gegründet und ihm verdankt es über viele Jahrhunderte seinen Ruf als Erzeuger von mehrfach ausgezeichneten Weinen und damit auch seinen wirtschaftlichen Erfolg und Reichtum.

 

Gedicht: Lob der Lagen von Rauenthal

 

„Rauenthaler Berg“ und „Gehrn“

bringen deutsche Wein zu „Ehrn“.

Ist der „Pfaffenberg“ auch „Steil“,

in der „Herberg“ lohnt Verweil.

„Baiken“, „Wülfen“ munden sehr

mit der nächsten „Wagenkehr“.

Wer vom „Rothenberg“ be-„Rauscht“,

der mit keinem König tauscht;

denn, wer ihn trinkt, bleibt „Sieben Morgen“

am „Langen Stück“  ganz ohne Sorgen.

 

(Verfasser unbekannt)

 

Das Rauenthaler Bergrecht [6]

(13. Jh. bis 1880)

 

Die Genehmigung des Erzbistums Mainz zur Rodung des Rauenthaler Berges war nicht kostenlos, sondern verbunden mit einer jährlichen Abgabe von Wein, und zwar einen Schoppen (0,5 Liter) von der Rute (25qm), dem sogenannten Rauenthaler Bergrecht.

 

Insgesamt betrug die Menge mehr als 10.000 Liter jährlich. Zunächst floss diese Abgabe den Eppsteiner Fürsten zu, die im 13. Jahrhundert den erzbischöflichen Stuhl in Mainz innehatten. Später ging das Rauenthaler Bergrecht als Lehen an die Ritter Brömser in Rüdesheim. In einem fast hundertjährigen Rechtsstreit zwischen den Brömsern und den Rauenthaler Winzern ging es um die Grenzziehung zwischen den abgabepflichtigen und den bergrechtsfreien Weinbergen, die im Jahr 1507 durch die Markierung mit Grenzsteinen abgeschlossen war.

 

Außerdem stritten die Inhaber des Bergrechts mit dem Zehntherren des Rauenthaler Berges, dem Mainzer Stift St. Viktor, ob zuerst der Zehnte abzuliefern sei und dann erst das Bergrecht greife oder umgekehrt. Die Rechtsprechung ging jedoch davon aus, dass der Berg für die Anlage der Weinberge ja zunächst erst einmal gerodet werden müsste. Deshalb müsse an erster Stelle die Weinmenge für das Bergrecht abgegeben werden. Von der zu verbleibende Menge sei dann der Zehnte zu berechnen.

 

Die Inhaber des Rauenthaler Bergrechts wechselten im Laufe der Jahrhunderte und am Ende wurde das Bergrecht in Geld abgegolten, bis es dann im Jahre 1880 endgültig aus den Stockbüchern (Grundstückskataster) gelöscht wurde.

 

 

August Wilhelmj – Der Rauenthaler „Apostel“

 

Bevor einige Textauszüge aus der Zeit der Rauenthaler Weinmärkte zitiert werden, zur Einstimmung ein Auszug aus dem Wiesbadener Generalanzeiger vom 17. Juni 1903: „Das hätte sich der selige alte Procuratur, der große Vorkämpfer für den Weltruf des Rheingauer Weines, der „Apostel Rauenthals“, auch nicht träumen lassen, dass einmal im reichshauptstädtischen Berlin unter der Flagge seines ehrwürdig-weinigen Namens eine „Rheingauer Weinversteigerung“ inszeniert würde! Gerade Rauenthal insonderheit verdankt, wie allbekannt, dem Prokurator Wilhelmi überhaupt seinen Weltruf.“ [Nun folgt ein Zitat aus der Gartenlaube von 1870, S. 394:] „In der Ferne, hoch über den Rebhügeln des rechten Rheinufers, ragt der spitze Kirchthurm des Dorfes Rauenthal empor. Es muss den schlichten Bewohnern des idyllischen Dorfes eine seltene Genugtuung gewähren, dass ihr Rebensaft den ritterlichen Kämpen von Johannisberg und Steinberg den Rang auf allen neueren Ausstellungen mit Erfolg streitig machte. Darum sei auch an dieser Stelle des rüstigen Strebens, des Fleißes dieses rührigen Winzerdörfleins anerkennend gedacht. Vergessen dürfen wir dabei des Mannes nicht, der als kühner Streiter mit hoher Intelligenz, Muth und Kapital für die Güte des Rauenthalers aller Orten in die Schranken trat. Es ist dies der Procurator August Wilhelmj zu Wiesbaden. Wilhemj’s unermüdlichen Streben verdanken die Rauenthaler Weine ihre jetzige unbestrittene Anerkennung: Ihm gebührt ein Denkmal an den Ufern des Rhein.“

 

 

Rauenthaler Berglied

von Dr. Friedrich Hornseck

 

Viel stolze Burgen kennt der Rhein,

Manch frommes Kloster nennt er sein,

In deren Ring die Rebe blüht;

Von Hochheim bis zur Brömserburg

Manch` edlen Keller probt ich durch

Mit durstigem Gemüth.

Da liegt in Fässern, Jahr für Jahr

Die Allmacht Gottes wunderbar

In tropfbar flüssiger Gestalt.

Johannisberg und Eberbach!

O tausend Wonnen wirken nach,

Wenn euer Name schallt!

Und Reben rings, wohin ich schau`,

Doch der Juwel vom ganzen Gau

Der schmückt ein schlichtes Dörflein nur!

Das Bürgerkind von Rauenthal

Wächst unbewacht im Sonnenstrahl

auf freier Bergesflur!

Kein Stammbaum leiht ihm Ruhm und Ehr`

Kein Kloster weiht´ durch fromme Lehr´

zu Aemtern ihn und Würden ein!

Und dennoch auf dem Fürstentag

Verherrlicht er das Festgelag

Zu Frankfurt an dem Main!

Und küßt Ihr seines Kleides Saum,

So wirkt es Wunder wie ein Traum

Das blumenduftge Goldgewand ...

Das ist fürwahr das goldne Vließ!

Die ganze Welt hat in Paris

den Preis ihm zuerkannt!

Die Magyaren riesenstark,

Der Ritter aus der span´schen Mark

(Wer hätte das geglaubt!)

Die von Bordeaux und Malaga

Sie alle standen staunend da

Und beugten ihm das Haupt.

Das war kein Sieg in blut´gem Streit,

Er dankt ihn nur der Lieblichkeit,

Dem edlen Geist voll Sonnenkraft.

Die Blumensprache, die er spricht,

Ist ein berauschendes Gedicht

Voll süßer Leidenschaft.

Es ist kein Mährlein, was ich sang,

Das ich erfand beim Becherklang

in mondbeglänzter Nacht am Rhein...

Die Wahrheit hab ich selbst erprobt:

Gepriesen sei und hochgelobt

Der Rauenthaler Wein!

 

 

 

1607-1726 Die Rauenthaler Weinmärkte[vii]

 

Im Rheingau wurden im frühen 17. Jahrhundert in vielen Orten Weinmärkte abgehalten. Der Rauenthaler Weinmarkt war europaweit begannt.

 

„Das Markrecht bestehet aber darin, dass keinem erlaubt ist, seine Weine zu verkaufen, bis entweder ein offener Weinmarkt mit Schultheis und Rath geschlossen oder nach Gelegenheit der Zeit, der partikular Verkauf vor öffentlicher Gemeinde mit Läutung der Glocke erlaubt worden. Sodann ist ein jeder gehalten, bei Umgehung den Kaufherrn seinen Keller zu öffnen, und nach den geschlossenen Bedingnissen des Kaufherrn nach Belieben zeichnen und ziehen zu lassen.“

„Im Jahr 1607 den 31ten Octob. haben Kaufleute von Kölln den Weinmarkt gemacht, das Fuder um hundert Gulden. Schon vor diesem Jahr sind Weinmärkte allda gehalten worden, wovon ich aber kein Verzeichnis habe.“ Auf den folgenden Seiten führt Schuck auf, welche Kaufleute zu wieviel Gulden das Fuder gekauft haben. Das Fuder zu 6 Ohm gerechnet. Ein Ohm waren 160 Liter, das Fuder also 960 Liter, Stückfässer seien dagegen noch unbekannt gewesen. Einige Zitate aus den folgenden Jahren:

 

1615 - Den 28. Octob. wurde der Weinmarkt mit sechs Weinhändlers Dienern um 109 Gulden das Fuder gemacht. Sie zeichneten aber nur 18 Stücke, und verschrien den übrigen wie saueres Bier, weswegen man mit denselben nicht mehr handeln wollte.

 

1622 - Den 24. Nov. Mit Kaufleuten von Hamburg, Danzig und Magdeburg, um 99 Rhtlr. In specie hat damals der Reichsthaler insgemein 4 Gulden gegolten.

 

1631 - Am 16ten Nov. Mit Heinrich von Ruchel, Gothard von Kleve, Rutger Winandt, Johann Schunk und Tilmann Westhofen, um 42 Rthlr. Sie zeichneten 70 Stücke; es bliebe aber noch viel Wein liegen, weil seit 30 Jahren kein so ergiebiger Herbst gewesen als gegenwärtiger. Bald nach dem Weinmarkt kam der König von Schweden ins Rheingau, und wurden ihm 47000 Rthlr. Ranzionsgelder accordiert. Dieses Geld schossen Frankfurter Kaufleute her, dafür ihnen die Landschaft über 1600 Fuder Wein jedes zu 28 Rthlr überließ. Der Flecken Rauenthal musste hierzu 66 Fuder hergeben. Der übriggebliebene Wein ist sehr im Preise gestiegen, so daß er gegen den Herbst 60 bis 70 Rthlr. gekostet hat.

 

1644 - Am 22ten Oct. Um 64 Rthlr. Die Kaufleute wollten sich bei diesen gefährlichen Kriegszeiten [Dreißigjähriger Krieg 1618-1648] ausgedingen, dass man die Gefahr der Weine, bis sie zu Eltvill eingeschift und abgefahren sind, über sich nehme, allein der Rath hat dieses nicht bewilligt.

 

1660 - am 13ten Nov. Zu dieser Zeit waren noch andere Kaufleute von Guttdorf, Gottrop und Dussenberg anwesend, die sich beschwerten, dass die Fuhrleute die Fässer anbohrten, weswegen verordnet wurde, dass der Fuhrmann, bei dem man einen Zwickel finden werden, seinen Fuhrlohn verlieren solle; dagegen sollten die Kaufleute den ordentlich liefernden Fuhrleuten zween und einen halben Batzen oder eine Maß Wein geben.

 

1682 - Ist kein Weinmarkt gehalten worden, „denn es ist von unserm gnädigsten Herrn ein Mandat ins Land gekommen, wodurch die Weinmärkte und Gabelungen in allen Flecken sollen aufgehoben und jedem sein freier Handel und Wandel erlaubt seyn. Dennoch gingen in den Folgejahren die Weinmärkte weiter.

 

1689 - Am 17. Nov. [...] Der 1688er Wein, der anfangs nur 18 Rthlr. kostete, ward zur Zeit der Belagerung der Stadt Mainz um 40 bis 50 Rthlr verkauft.

 


1694 - Am 28ten Nov. kamen zwar Kaufherrn und wurde gehandelt das Fuder um 66 Rthlr. und 60 Stücke aus 160 zu ziehen, da sie aber nur 40 Stücke ziehen wollten, so kam der Markt nicht zu Stande. Als nun die Kaufleute fort waren und alle Hoffnung eines Marktes verschwunden, so machte der Rath den Preis und erlaubte jedem um 66 Rthlr. und 2 Rthlr. aufs Fass zu verkaufen. Hierauf kaufte Hr. Mainon aus Kölln 25 Stücke; und im folgenden Jahr wurden die übrigen viel theuerer, nämlich mit etlich und neunzig bis 134 Rthlr. bezahlt. Hr. Kohlborn von Neudorf kaufte auch von diesem Jahrgange drei Stücke zu Rauenthal um 75 bis 80 Rthlr. und ließ sie allda liegen bis zum Jahr 1700, wo er sie an einen Grafen von Waldeck, jedes um 240 Rthlr. verkauft hat.

 

1726 - Der letzte Weinmarkt zu Rauenthal wurde am 30ten Oct. mit Hrn. Birckenstock aus Erbach, Hrn Cunibert Amtsschultheißen aus
Oestrich und Hrn Unkraut aus Eltvill geschlossen. In den folgenden Jahren sahen Gericht und Gemeinde der Ankunft des Kaufherrn mit Sehnsucht entgegen. Allein es erschienen keine mehr, und wurde daher kein eigentlicher Markt mehr gemacht, sondern Schultheis und Gericht setzten meistens bis 1753 den Weinpreis fest.

 

 

1314 - 1992 Baugeschichte der Rauenthaler Kirche

 

Die erste Erwähnung einer Kapelle in Rauenthal findet sich im Testament des Klerikers Bertold von Glimindal (Glimmenthal) vom 2. Juli 1314[viii]. „Item ad structuram ecclesie in Ruendal II marcas“, zu Deutsch: Ebenso [gibt er] zur Bauunterhaltung der Kirche in Rauenthal zwei Mark. Bemerkenswert ist hier, dass bereits 40 Jahre nach der Ersterwähnung von Rauenthal (1274) eine Kapelle bestanden hat. In den folgenden Jahren werden Ablässe von 40 Tagen denjenigen gestiftet, die etwas für die Rauenthaler Kirche spenden, was vermuten lässt, dass in dieser Zeit an der Rauenthaler Kirche gebaut wurde.[ix] Am 22. April 1339 bestätigt Erzbischof Heinrich III. (1338-1446) die

 

Errichtung der Antoniuskapelle in Rauenthal „de novo“ (erneut) durch die Bewohner des Dorfes unter dem Vorbehalt der Rechte der Mutterkirche Eltville und des Mainzer St. Peterstiftes.

 

Mit Datum vom 29. November 1339 ist wegen des Patronatsrechts über die Kapelle in Rauenthal ein gerichtlicher Vergleich überliefert. Der Vergleich wurde geschlossen zwischen dem St. Peterstift zu Mainz und Ritter Nikolaus von Scharfenstein.[x] Es wird festgelegt, dass Ritter Nikolaus von Scharfenstein weiterhin das Patronatsrecht über die Antoniuskapelle in Rauenthal ausübt. Dieses Recht wird ihm allerdings nur auf Lebenszeit zugestanden und kann somit nicht an seine Nachkommen vererbt werden. Nach seinem Tod fällt das Recht dem St. Peterstift zu. Die Familie Scharfenstein scheint auch nach der Rückerwerbung durch das Erzbistum eng mit Rauenthal verbunden geblieben zu sein.

 

Schon ab 1361 trennte sich die Rauenthaler Kapelle von der Eltviller Mutterkirche und begründete eine eigene Pfarrei. Nun hatte die Gemeinde nicht nur für den Unterhalt des Pfarrers zu sorgen, sie musste vielmehr auch ein Pfarrhaus mit Scheune, Stall und Weinkeller zur Verfügung stellen.[xi]

 

Pfarrer Heike weist 1934 in der Pfarrchronik darauf hin, dass man beim Heizungsbau in der Kirche auf zwei Brandschichten gestoßen sei. Bei der tieferen Brandschicht handelt es sich sicherlich um die Überreste der ersten Rauenthaler Kapelle, die zwischen 1314 und 1324 abgebrannt sein dürfte. Die zweite Kapelle, die 1339 vollendet wurde, musss aber etwa 100 Jahre später ebenfalls einem Brand zum Opfer gefallen sein, denn bereits ab etwa 1450 wird wieder an der Rauenthaler Kirche gebaut. Auch für die Spenden zu diesem Bauvorhaben existieren entsprechende Ablassbriefe.[xii]

 

Im Südportal der Kirche, der sogenannten Brautpforte existierte ein Sandstein mit der Jahreszahl 1464 und könnte ein Hinweis auf die Fertigstellung des Kirchenschiffes der Rauenthaler Kirche sein. Leider wurde dieses Portal bei Renovierungsarbeiten 1973 abgerissen und der Stein ist seitdem verschollen.

 

Die Weihe der fertiggestellten Kirche erfolgte dann im Jahre 1492, belegt durch den Schlussstein über der Empore und der Jahreszahl am Hauptaltar.

 

 

1478 Das Rauenthaler Rathaus wird erbaut

 

Ein weiterer Schlussstein mit der Jahreszahl 1478 (Bild oben) wurde bei den Renovierungsarbeiten des Rathauses im Jahr 2002 gefunden. Damit ist der untere, gemauerte Teil des Rathauses – nach dem Kirchturm – das älteste Gebäude Rauenthals. Nach dem Großbrand 1558 (siehe weiter unten), wurde das Obergeschoss 1566 wieder aufgebaut.

 

Das Rathaus ist ein aufwendig gebautes, mit reichem Zierfachwerk geschmücktes Gebäude, das ursprünglich an der Giebelseite einen Erker aufwies. Neben der Funktion als Rathaus der Gemeinde, war es Gerichtsort.

 

Rauenthal erhielt schon im 14. Jahrhundert ein eigenes Gericht[xiii]. Neben dem ordentlichen Gericht gab es in allen Ortschaften des Weiteren Sondergerichte, sog. Haingerichte, für die Gegenstände der Allmende: „Wald, Wasser, Weide, Weg und Steg, zugleich aber auch für gewisse gewerbliche Angelegenheiten über
haupt, insbesondere die Lebensmittelauf
sicht und die Preisüberwachung.“[xiv]

Im Türbogen erkennbar die Jahreszahl 1565


Zudem diente das Gebäude auch der Freiwilligen Feuerwehr als Spritzenhaus. Bis zuletzt war hier noch eine Verwaltungsstelle der Stadt Eltville untergebracht, bevor es im Jahre 2002 in Privatbesitz überging und aufwändig renoviert wurde.

 

 

1558 Großbrand zerstört Kirche und Ortskern

 

Der durch einen Blitzschlag ausgelöste Großbrand zerstört nicht nur einen Großteil Rauenthals, auch die Rauenthaler Kirche brennt ab. Das Kirchengeläut stürzt zu Boden und zerschellt; nur die Außenmauern und das gemauerte Gewölbe halten stand.

 

Das Rauenthaler Rathaus (rechts im Bild)

 

Dies ist einem Protokoll des St. Viktorstiftes zu entnehmen. Besagtes Stift gab nämlich auf Bitten der Bewohner anno 1558 einen Beitrag von 31 fl. [Gulden] und bewilligte anno 1563 nochmals 10 bis 12 fl. zur Wiederherstellung der Kirche. Der komplett zerstörte Turmhelm und der Glockenstuhl wurden 1560 wieder errichtet und neue Glocken gegossen, von denen noch heute zwei Glocken erhalten geblieben sind.

 

„Nicht nur in der nach 1558 entstandenen, im Februar 1945 vernichteten Glasmalerei, die von einigen Adelsfamilien gestiftet worden war, zeigte sich eine reiche bildlich umgesetzte Antoniusverehrung; vor allem die 1884 durch die Kirchenrenovierung, bei der zugleich alle vorher vorhandenen Grabplatten der Rauenthaler Pfarrer restlos und ohne Abschrift entfernt wurden, zu Tage geförderten, spätmittelalterlichen Wandmalereien stellten mit insgesamt 16 beschrifteten Bildern die Vita des Heiligen dar. Bereits zu Beginn des 20. Jahrhunderts wurde dieser am Mittelrhein und darüber hinaus wohl einzigartige Antoniuszyklus vernichtet.

 


Auch die bei der 1919-21 durchgeführten Innenraumerneuerung zum Vorschein gekommenen Darstellungen eines Jüngsten Gerichtes, einer Marienkrönung und von Engeln mit nicht näher überlieferten Schriftbändern fielen der neugotischen Umgestaltung zum Opfer. Noch einschneidender erwiesen sich die Renovierungen der Jahre 1954 und 1956, bei denen die alte Innenausstattung (Gestühl, Rats- und Gerichtsstühle, Kanzel und das barocke Kircheninventar) zerstört oder stark verändert, ein modernes Seitenschiff an die alte Kirche angefügt und die nördlich der Pfarrkirche gelegene, baufällige Michaelskapelle mit ihrem Beinhaus niedergerissen wurden. In zwei Bauabschnitten erfolgte die jüngste Restaurierung der Kirche in den Jahren 1990 und 1991/92.“[xv]

 

Im oberen Geschoss der Michaelskapelle (Bild links) befand sich eine Knabenschule, die seit etwa 1600 bestand und im Kellergeschoss war das Beinhaus.

 


Durch den Abriss sollte Raum für einen Weinkeller des Pfarrweingutes entstehen. Der teilweise sehr rüde Umgang mit den Gebeinen erzeugte tiefen Groll bei der Bevölkerung. Die ausgebaggerten Gebeine wurden mit Lastwagen zum alten Rauenthaler Friedhof gebracht und dort in einem Massengrab beigesetzt. Die Nutzung als Weinkeller wurde dem Pfarrer jedoch vom bischöflichen Ordinariat untersagt. Zur Geschichte des Rauenthaler Kirchturms ist zu bemerken, dass er älter als das Kirchenschiff ist, denn der westliche Abschluss des Schiffsgewölbes hat keine Strebepfeiler; es lehnt sich praktisch an den Turm an.

In der Turmhalle, die ursprünglich nur durch eine schmale Tür mit dem Kirchenschiff verbunden war, endeten früher die Seile, mit denen die Glocken geläutet wurden.

 

Im Jahr 1920 wurde die Turmhalle durch einen Durchbruch, der sich fast über die ganze Breite der östlichen Turmwand erstreckte, in den Kirchenraum einbezogen. Dieser Baumaßnahme, befürwortet vom Kirchenvorstand und abgelehnt vom Gemeindevorstand, gingen zweijährige, erregte Diskussionen voraus, da der Einsturz des Turmes bei einer Durchbruchsöffnung dieser Größe befürchtet wurde. Auch die diesbezüglichen starken Bedenken des Wiesbadener Hochbauamtes wurden erst durch ein Gutachten des Mainzer Dombaumeisters Prof. Becker ausgeräumt, der in der fast totalen Wegnahme der Ostseite des Turmes keine Beeinträchtigung der statischen Sicherheit sah.

 

Der damalige Rauenthaler Lehrer Burkhard schreibt in der Schulchronik, man hätte aus Ersparnisgründen die Turmwand von den Mitgliedern des Gemeinderates mit ihren dicken Köpfen einrennen lassen sollen.

 

Der Rauenthaler Maurermeister Jakob Wagner ließ nach glücklicher Beendigung der Durchbruchsarbeiten aus Dankbarkeit der Muttergottes in der Kirche eine neue Krone, die er ihr vor Beginn der Arbeit versprochen hatte, anfertigen.[xvi]

 

Die Madonna, hier noch ohne die o.g. Krone

 

1525 Bauernkriege –

Der Aufstand auf dem Wachholder

 

Im Jahr 1525 erreichte der Deutsche Bauernkrieg auch den Rheingau. Die Bauern lagerten auf der Wacholder Heide vor dem Kloster Eberbach. Von dort aus plünderten sie Vorräte des Klosters. Sie forderten unter anderem die Auflösung aller Klöster im Rheingau. Die aufständischen Bauern erzwangen eine Erklärung, der zufolge die Rheingauer Klöster keine Mönche mehr aufnehmen durften. Als Nachrichten über das erbarmungslose Vorgehen des schwäbischen Bundes die Rheingauer erreichten, verließen sie die Wachholder Heide. Sie waren in dem Glauben, dass sie dadurch keine Strafe erleiden würden, ihre Forderungen aber erfüllt bekämen. Ihre Erklärung wurde jedoch gegenstandslos und die Strafe folgte auf dem Fuße. Neun Rädelsführer der Bauern wurden enthauptet. Die bisherigen Privilegien des Rheingaus (Rheingauer Weistum) wurden aufgehoben und das Volk zur Zahlung von fünfzehntausend Gulden Sondersteuern verpflichtet. „Auf Rauenthal entfielen an Kriegsentschädigung, an Brandschatzung und an Strafgeldern die nicht geringen Beträge:1. Auf 131 Haushaltungen je 7 Gulden, zus. 917 Gulden 2. An Brandschatzung vom 7. Sept., zus. 302 Gulden Macht für Rauenthaler zusammen: 1.219 Gulden 3. An Strafgeldern, die 1526 von den als besonders aufrührerisch betroffenen Rauenthalern kurzfristig verlangt wurden: Von Cles Becker: 7 Gulden, Valentin Schneider: 5 Gulden, Hans Bender: 10 Gulden, Herman Zoller: 4 Gulden, zus. 26 Gulden 4. Hinzu kommen anteilige „Verzehrkosten“, die sich an den Vernehmungstagen ergaben und den 20 Rheingaugemeinden mit 482 Gulden aufgerechnet wurden; jeder Gulden nach heutigem Wert: 150 Mark.“[xvii]  Es spricht für das Gemüt der Rheingauer, dass ihnen aus diesen Vorfällen vor allem eines im Gedächtnis geblieben ist: Die Aufständischen haben das große Fass in Eberbach leergetrunken und sind dann friedlich wieder nach Hause gezogen.

 

 

 

 

 

1601 Knabenschule

 

Rauenthal hatte Ende des 16. Jh. bereits eine Schule, wie sich aus einer Kirchenrechnung[xviii] ergibt, in den Ausgaben für den Schulmeister und vier Geldstiftungen „gutherziger Leut“ für die Schule aufgeführt sind

 

1606 Das Rauenthaler Gerichtsbuch

 

Die älteste noch erhaltene Schrift in Rauenthal ist das „Rauenthaler Gerichtsbuch“ (Bild oben) von 1606. Diese Schrift wurde von Harald Jahn in akribischer Kleinarbeit transkribiert. Auch dieses Buch kann online über den am Ende dieser Chronik angegebenen QR-Code-Link aufgerufen werden.

1616 Zerstört ein Feuer 36 Herdstellen

 

Einer Herdstelle werden im Durchschnitt etwa fünf Personen zugerechnet. Durch den Brand waren also mindestens 180 Einwohnerinnen und Einwohner betroffen.

 

 

 

 

 

 

1643 Protokollum Ecclesiae Aspera-Vallensis

 

Der Rauenthaler Pfarrer Amandus Mendich führt das Geburts- und Taufregister ein und beginnt das Kirchenprotokollbuch der Pfarrei.[xix]

 

 

1660 Kapelle an der Waldpforte

aus den Notizen von Hans Wagner[xx].

 

Verschiedene Hinweise sprechen dafür, dass diese Kapelle wesentlich älter ist als die Kapelle auf der Bubenhäuser Höhe(s. unten 1694 und 1843) oder der Kapelle am Neuen Weg. Sie ist bereits im Lagerbuch von 1660 erwähnt, wo es bei Ackergrundstücken heißt: „Acker ahm heylgenhauß ahn der waldtporften“. Wie ebenfalls aus dem „Protokollum Ecclesiae Aspervallanae“ hervorgeht, wurde die Kapelle im Jahr 1701 innen und außen renoviert und aus der Tatsache, dass auch das Schieferdach bereits repariert wurde, ist zu schließen, dass dieses Heiligenhäuschen zum Zeitpunkt seiner Renovierung –also im Jahre 1701 –bereits ein ansehnliches Alter haben musste.

 

Die erwähnte Eintragung im Kirchenprotokollbuch lautet: „zur illumination einen dünger [Tüncher] von Kidderach fünf Gulden undt dazu zwey Gulden für zwey büthen Kalch. Das dach darauf besteygen lassen undt davohr dem Leydecker geben sechzehn Kreutzer.“ Die Kapelle stand zum Zeitpunkt ihrer Errichtung im oder aber am Wald, denn sie wird ja immer wieder bei allen Erwähnungen als Heiligenhäuschen an der Waldpforte bezeichnet. Dies deckt sich auch mit den bereits zitierten Angaben aus dem 1686 beginnenden Kassenbuch der Gemeinde Rauenthal, in den ständigen Einnahmen aus dem Verkauf von schweren Eichenstämmen verzeichnet sind, die im Kaltenborn und Tönges geschlagen wurden; also musste zu diesem Zeitpunkt hier auch noch Wald gewesen sein. Über die Errichtung der Kapelle ist nichts überliefert da sie höchstwahrscheinlich älteren Ursprungs ist als die ältesten uns vorliegenden Unterlagen.

 

 

1662 Kapelle am Neuen Weg

aus den Notizen von Hans Wagner.

 

In den Archiven von Gemeinde und Kirche ist nicht ein einziger Hinweis oder Vermerk über dieses Heiligenhäuschen vorzufinden. Vielleicht wurde es im Zusammenhang mit der Anlage des „Neuen Weges“ errichtet. Dieser bereits 1660 so beschriebene Weg wurde - wie sein Name besagt - wahrscheinlich erst kurz zuvor in den Felsen des nach Westen abfallenden Steilhanges gegraben. Er erschloss die damals ebenfalls erst neu gerodeten Wiesen und Weinberge des mittleren und unteren Hainzentales und vor allem aber die Neuen Wiesen, sowie die Wiesen am roten Weiher, im Tiergarten, im Schollenbergsborn, in der Dachskaut und im Kiliansaal. Diese Distrikte konnten zumindest mit Fuhrwerken vor Anlage des „Neuen Weges“ nur auf den großen und beschwerlichen Umwegen oder aber über Eltville und Neudorf erreicht werden, da der Verbindungsweg durch die Wiesen des Sulzbachtals zwischen Wagenkehr und Wiesweg erst zu Beginn des 20. Jahrhunderts gebaut wurde. So wäre es denkbar, dass die Raunthaler zum Dank für die Erleichterung der Bewirtschaftung ihrer Grundstücke infolge der Anlage des „Neuen Weges“ das Heiligenhäuschen dort errichteten. Zumal dieser Weg in früheren Jahrhunderten - als die Wiesentäler noch intensiv bewirtschaftet wurden - sehr stark frequentiert war.

 

 

1664-66 Die Pest in Rauenthal

 

Den Pestjahren 1664 bis 1666 fielen im Rheingau zahlreiche Menschen zum Opfer. Auch in Rauenthal, was auch aus den Eintragungen aus den Kirchenbüchern hervorgeht. Während damals in Rauenthal jährlich etwa 15 bis 20 Kinder getauft wurden, waren es 1664 nur eine Taufe, 1665 zwei Taufen. 1666 dann der Eintrag im Kirchenbuch: „Anno 1666 wurden keine [Täuflinge] eingeschrieben: Zeiten, wo der Pest Gifthauch durch die Welt zog.“ Die Sterbefälle wurden damals noch nicht gesondert registriert.

 

 

1666 Eine Rauenthaler Legende

 

An der Südseite des Rauenthaler Kirchturms steht ein Grabstein, mit dem sich eine immer wieder erzählte Legende verbindet: Der Rauenthaler Schultheiß Johann Valentin Butzfeld habe in Andenken an seine Kinder, die allesamt an der Pest gestorben seien, diesen Grabstein errichten und für jedes seiner sieben Kinder eine Linde auf dem Kirchplatz anpflanzen lassen. Soweit die Legende.

Die Linden wurden tatsächlich zwischen 1660 und 1688 angepflanzt, wie dem Rauenthaler Lagerbuch[xxi] zu entnehmen ist, aber die Geschichte des Grabsteins ist eine gänzlich andere. „Von den zwischen 1657 und 1670 geborenen sieben Söhnen Butzfelds haben fünf nachweisbar noch lange nach der Pestepidemie des Jahres 1666 gelebt. […] die sieben auf dem Stein abgebildeten Söhne waren nicht an der Pest verstorben, sondern die noch Lebenden hatten ihren Eltern im Jahr 1690, beim Tod ihres Vaters, den Grabstein gewidmet und auf diesem sich zusammen mit den inzwischen verstorbenen Geschwistern verewigen lassen.[xxii] Die Inschrift auf dem Grabstein lautet: Anno 1690, den 26 Juli, sind in Gott selig entschlafen: Der ehrsame Johannes Valentin Butzfeld, gewesener Unterschultheiß allhier, seines Alters 57 Jahre. Anno 1682 der ehrsame Elisabeth Katharina Butzfeld, ihres Alters 48 Jahre. Requiescant in sancta pace.“ Die Mutter ist ganz links, der Vater ganz rechts abgebildet. Neben der Mutter stehen die sieben Söhne mit ihren Rufnamen (Adam, Christoph, Wilhelm, Wendlin, Jops Wend, Jops, Jakob), beim Vater ist die Tochter Maria Elisabeth abgebildet.

 

 

1682 Der Halleysche Komet

 

Schultheiß Johann Georg Hoffmann notiert in seinem Hausprotokoll: „Am Endte dess Auguste vnd im Septembri ist abermahl ein schröcklicher comet ahm firmament, den schweif nach osten zue formierendt allhie gesehen wordten.“ –Der Hallyesche Komet!

 

 

1683 Brand im Eltviller Kirchturm

 


Schultheiß Johann Georg Hoffmann notiert in seinem Hausprotokoll: „Den 12t. Junij, nachtss vmb 2 Vhr vngefehr, hat dass wetter in den Eltuilter Kirchen Thurn eingeschlagen, vnd oben in der spitz ahngefangen zue brennen, vnd vnahngesehen, menschen hülff vnd wasser genug bey handten gewesen, doch wegen der höhe niemandt hat können beykommen, dass also alless geholtz inwendig des Thurns sampt dem, über die massen schoeness vnd Kostbaress gelaüth in dritthalb stundten durch dass erwachssene feuer –gott erbarms! –gätzlich verbrenndt und zerschmoltzen ist, welchen schadten man wohl über vor 50000 fl. Werth ohngefähr achtet. Danck ist hierbenebens dem lieben gott zue sagen, dass ahn den bürgerlichen haussern niet zue schadten kommen.“

 

 

1684 und wieder hat’s gebrannt

 

Schultheiß Johann Georg Hoffmann notiert in seinem Hausprotokoll: „am 16. Juni dann der Eintrag: „abendts vmb 10 Vhr ist in unserer nachbarschafft –leider gottes –ein erbarmlicher brandt entstandten, dadurch mir all mein gebäudte, pferdt vnd alles geschirr, 6 Kühe, 5 schwein, ein lamb, 12 hühner; vhngefehr fleisch: gott erbarmss, alles verbrunnen, vnd nix salvirt als wass nuhr hausrath gewesen. Der barmhertzige gott wolle vns fürders gnädig vnd barmhertzig sein, vnd diesen meinen schadten, der von den leuth zue 2000 fl. acstimirt wirdt, anderweitlich gnedigst ersetzen.“

 

 

1691 Notizen

 

Am 3. Februar 1691 ist der Rhein (mal wieder) zugefroren und somit können "die Franzosen" über den Rheingau herfallen. Johann Adam Münch stiftet den neuen Hochaltar. Papst Innozenz XII. legt den letzten Tag des Jahres - benannt nach Papst Silvester I. - verbindlich auf den 31.12. fest. Und: Johann Georg Hofmann wird zum Rauenthaler Schultheiß ernannt!

 

 

1691 Verlegung des Rauenthaler Kirchweihfestes

 

„Das seitherige Rauenthaler Kirchweihfest war bis zur Errichtung des neuen Hochaltars am Sonntag vor dem Laurentiustag (10. August) und fiel mit dem Eltviller Markt zusammen, ein Umstand, der den Rauenthaler Einwohnern seit alten Zeiten missfiel, da sie gern beide Veranstaltungen besucht hätten. So baten sie nun ihren Pfarrer Laurentius Röll, bei dem Mainzer Weihbischof Dr. Stark dahingehend vorstellig zu werden, mit der Weihe des neuen Hochalters gleichzeitig eine Neueinweihung der ganzen Kirche zu verbinden, aber an einem Termin, der nicht mit dem Eltviller Markt zusammenfiel. Der Weihbischof hörte sich die Bitte des Rauenthaler Pfarrers an, gab ihm jedoch zu verstehen, dass die Errichtung eines Altares kein Grund sein, die ganze Kirche neu zu weihen. Vielmehr sei hierzu eine bauliche Veränderung erforderlich, zum Beispiel der Abbruch des gemauerten Altarfundamentes und dessen Versetzung an eine andere Stelle. Der Rauenthaler Pfarrer hatte diesen Wink verstanden. Der neue Rauenthaler Hochalter wurde wieder abgeschlagen, der gemauerte Altartisch abgebrochen und um eineinhalb Schuh, das waren etwa 45 Zentimeter, nach Osten, also nach der Chorwand hin, versetzt, um, wie man nach Mainz berichtete, im Chorraum mehr Platz zu gewinnen. Anschließend wurde der Hochaltar wieder aufgerichtet. Dem Gesetz war nun Genüge getan, Weihbischof Dr. Stark kam am Sonntag nach Maria Himmelfahrt (15. August) des Jahres 1691 nach Rauenthal und weihte die ganze Rauenthaler Kirche neu. Von diesem Tag an war das Kirchweihfest nun am Sonntag nach dem 15 August und fiel nicht mehr mit dem Eltviller Markt zusammen. „[xxiii]

 

 

1694 Kapelle auf der Bubenhäuser Höhe

 

Ein Eintrag aus dem „Protocollum Ecclesiae Aspervallanae“, dem Rauenthaler Kirchenprotokollbuch aus dem Jahre 1694: Der Gastwirt Johann Mertz - Besitzer des Wirtshauses ZUR KRONE in Mainz - lässt „auß seinen Eygenen mittel und auß affection und guter Neygung zu hießigem orth“ auf der Bubenhäuser Höhe eine Kapelle errichten. Es liegt die Vermutung nahe (so der Rauenthaler Historiker Hans Wagner), dass der fromme Stifter ein Rauenthaler Kind war, denn 1660 besitzt hier ein Balthasar Mertz Haus und Hof und eine ganze Anzahl Weinberge, Äcker und Wiesen. Die Eintragung im Kirchenprotokollbuch stammt zwar aus dem Jahre 1694, es ist jedoch nicht angegeben, ob die Kapelle im gleichen Jahr oder bereits früher errichtet wurde.

 

Nach mündlichen Überlieferungen sollen die Sandsteinfundamente der beiden Bänke im Osten und Westen der Bubenhäuser Höhe letzte noch vorhandene Reste dieser Kapelle, die auch in einer Erzählung von Aloys Henninger[xxiv] aus der Mitte des vergangenen Jahrhunderts erwähnt wird, darstellen. Die mündliche Überlieferung beschäftigt sich immer wieder mit mystischen Deutungen im Zusammenhang mit dem Buben und sie will wissen, dass hier in uralten Zeiten eine Siedlung, eine Kirche oder ein Kloster gestanden haben soll.

 

Auch ist im Rauenthaler Volksmund immer wieder die Rede von einer Gräfin von Bubinhausen, die hier gewohnt haben soll. Dies ist jedoch praktisch unmöglich, da ein Geschlecht dieses Namens weder in den Rheingauer Archivalien noch als adeliges Mitglied des Eltviller Haingerichts oder des Rheingauer Generalhaingerichtes, in denen der eingesessene Adel seit ältesten Zeiten Sitz und Stimme hatte, jemals erwähnt wurde.

 

 

 

1696 Die letzte Hinrichtung in Rauenthal

 


Wann Ottilia Gräf geboren wurde, lässt sich den Rauenthaler Kirchenbüchern nicht entnehmen, weshalb anzunehmen ist, dass sie nicht aus Rauenthal stammt. Im Jahre 1692 am 19. November wird ihre Tochter Anna Margaretha geboren, als gemeinsames Kind mit Augustin Döll, der als Müller in der Dörrmühle arbeitet. Die Tochter, Anna Margaretha Döllin, es ist durchaus üblich die weibliche Endung „in“ an den Familiennamen der Frauen anzuhängen, heiratet 22jährig am 12. Februar 1714 Joes Jacobus Schmidt. Ihr Vater Augustin stirbt allerdings bereits am 29. August 1693, also knapp ein Jahr nach ihrer Geburt. Über die Todesursache und das Alter dieses Mannes wissen wir leider nichts. Bereits zwei Jahre nach dem Tod ihres Mannes heiratet die Witwe Ottilia am 9. Mai 1695 Gisbert Rumpel aus Runckel.

 

Der Pfarrer schreibt in die Bemerkungsspalte des Trauungsbuches „infelix matrimonium“, also unglückliche Ehe (Bild oben). Ob dieser Kirchenmann mit prophetischer Gabe ausgestattet war oder diesen Eintrag erst später vornahm, lässt sich nicht mehr feststellen.

 

Jedenfalls steht im Totenbuch ein Eintrag bereits noch im Jahre 1695, vermutlich im November oder Dezember, also ein halbes Jahr nach der Eheschließung, dass Gisbert Rumpel, Müller auf der Dörrmühle, „ab uxori propia necsus“, also „von der eigenen Frau umgebracht“ worden war. Offenbar tatsächlich keine glückliche Ehe! Deshalb wäre es vielleicht interessant zu wissen, woran der erste Ehemann von Ottilia gestorben ist. Doch wird noch am 29. Februar des folgenden Jahres 1696 Maria Eulalia als Tochter von Gisbert und Ottilia Rumpel geboren. Ihre Patin ist Maria Eulalia Hoffmann „virgo asperavallana“ (Jungfrau oder unverheiratete Frau) aus Rauenthal.

 

In dem Jurisdictionalbericht von 1786, der von J. Rußler für das Erzstift Mainz angefertigt wurde und im Hessischen Hauptstaatsarchiv aufbewahrt wird, findet sich unter anderem der folgende Absatz: „Rauenthal hat ein Hoch Gericht, und wurde vor Zeiten hieselbst mehrere hingerichtet, gleichwie dan die letzte im Jahr 1696 den 8ten May nahmens Ottilia gebohrene Gräfin, und sogenannte Dörrmüllerin auf der Schlangenbader Bach wegen begangenen Todtschlag an ihrem Ehemann Isbertus Rumpel, auf dem gewöhnlichen Gerichtsplatz im Berschlach mit dem Schwerd vom Leben zum Tod hingerichtet, und der Kopf und Körper aufs Rad respective gesteckt und gelegt worden.“

 

Damit endet die Geschichte der Ottilia geborene Gräf, verwitwete Döll, verwitwete Rumpel. Am 12. Februar 1724 heiratete die dann 22-jährige Anna Margaretha Döll (die Tochter von Augustinus und Odilia Döll) den Jugendlichen Joes Jacobus Schmidt. Mit ihm hat sie mindestens drei Söhne. Es ist anzunehmen, dass noch heute Nachkommen der Ottilia Rumpel in Rauenthal wohnen. Bemerkenswert am Rande ist noch die Feststellung, dass Rauenthal zu dieser Zeit nicht nur ein Hochgerichtsort war, wo also auch über Hals und Haupt gerichtet wurde, sondern, wie dem Jurisdictionalbericht zu entnehmen ist, auch ein General Haingericht. „Allhier auf dem grosen Rathaus wurden vor Zeiten die General Haingerichte gehalten zu dem Endt das Orth mit ... Graben zu versehen, und von dem gantzen Rheingau erhalten wurden. Die Acten musen sich in Churfürstl. Deposituren noch vorfinden.“

 

 

1709 Der Schlangenbader Überfall

 

Der Schlangenbader Überfall findet deshalb hier Erwähnung, weil der Rauenthaler Schultheiß Georg Friedrich Hoffmann und Rauenthaler Bürger entscheidenden Anteil an der Befreiung der Geiseln und der Festnahme der Räuberbande hatten. Drei Rauenthaler haben dabei ihr Leben verloren.

 

Es liegen unterschiedliche Schilderungen des Überfalls vor, wobei die bekannteste Hoffmanns Tagebuch entstammt.[xxv] Im Rauenthaler Kirchenbuch gibt es einen Eintrag von Pfarrer Joh. May.[xxvi]  und in der Anlage zu einem Bericht der Gemeinde Rauenthal an das Amt Eltville (Jurisdictionalbericht) vom 25. Juli 1786[xxvii] wird der Schlangenbader Überfall ebenfalls beschrieben. Das Erbacher Gerichtsbuch schildert das Ereignis ebenfalls.[xxviii] Auch in Beyträge zur Mainzer Geschichte herausgegeben von Joh. Peter Schunk aus dem Jahr 1792[xxix] finden wir Texte zu dem Schlangenbader Überfall. Unter Hinzuziehung all dieser Dokumente ergibt sich das folgende Bild:

 

Am 16. Juli 1709 setzten 52 Franzosen, eine französische Parthey, unter dem Kommando von Marquard Lauf aus Echternach (unter dem Partheygänger Kleinholz) mit kleinen Nachen unterhalb Bingen heimlich über den Rhein und kamen durch den Wald über Hallgarten, Kiedrich und Rauenthal unter Umgehung der öffentlichen Wege am 17. Juli um 3 Uhr nachts in Schlangenbad an. Dort drangen sie in das Mainzer Haus ein und überfielen die hochherrschaftlichen Gäste, darunter seine kurfürstliche Durchlaucht Herrn Deutschmeister Herzog von Neuburg, einen Prinzen von Mecklenburg, Graf von Solms-Braunfels, etliche holländische Kaufleute, den Postmeister von Kassel samt einigen Frauenzimmern, insgesamt 12 Personen. Der Oberhofmarschall des Herrn Deutschmeister sprang bei der gewaltsamen Öffnung der Tür herzu und bei dem darauffolgenden Schusswechsel fanden er und der Partheyführer den Tod. Die übrigen Geiseln ergaben sich in ihr Schicksal. Die Bande raubte die Zimmer aus und erbeuteten kostbares Silbergeschmeide und Kleidung insgesamt im Wert von 20.000 Reichstalern.

 

Der Rückweg führte die Bande mit ihren Geiseln über Rauenthal. In der Annahme, dass der Rheingau unter französischer Herrschaft stünde, begehrten sie von Schultheiß Hoffmann ungestörten Durchzug. Der Anführer kam morgens um 7 Uhr am Hause des Schultheißen an und trug die Montur des Herrn Deutschmeisters. Hoffmann sagte ihm, sie mögen erstmal nicht weiterziehen, bis er von seiner Obrigkeit einen Verhaltensbefehl erhalten habe.

 

Darauf ließ sich die Bande nicht ein und zog weiter. Hoffmann hatte aber schon zuvor Boten an die anderen Rheingauer Gemeinden, Hessen und das Idsteiner Land geschickt, um genügend wehrhafte Bürger zu versammeln. Sein Plan war, mit den Rauenthaler Bürgern die Bande lediglich zu verfolgen, um ihnen den Rückweg zu versperren und sich dann mit der, am Rheinufer versammelten wehrhaften Menge zu vereinen. Angesichts der Überzahl der vorhandenen wehrhaften Bürger würde die Bande aufgeben und es käme nicht zu einer Schießerei oder einem Gemetzel.

 

Hoffmann schreibt: „Es versammelte sich die hiesige Gemeinde theils mit Gewehr, theils mit andern Defensionsinstrumenten; denen ich zugeredet, sie sollten keine Gewehr ergreifen sondern sich nur versammeln und bis an den Rhein unter steter Vermehrung hinzukommender Leute (maßen aller Orten im ganzen Land gestürmt und allarmirt worden, da auch die Landgräfisch Hessische und die Wiesbadener Unterthanen inmittels herbeigeloffen) nachfolgen, um einig oder anders [das eine oder andere] Unglück zu verhüten, von selbst keine Schießgewalt gebrauchen; bis die Franzosen an den Rhein kämen, würde das ganze Rheingau nebst der benachbarter Herrschaft Unthertanen sich zu ihnen versammeln, und also ohne Unglück oder Gefahr des Landes die Befreiung der hohen Gefangenen geschehen können.“

 

Doch Hoffmanns Plan ging leider nicht auf und er schreibt weiter: „Die hiesige Einwohner seind also der durchmarschirenden Parthie und Gefangenen nachgefolgt, welche nicht gerad auf Eltvill sondern den neuen Weg hinunter, als wollten sie nach Kidderich, jedoch den Eltviller Triftweg hinunter marschirt; da inmittels bei je länger je mehrer Versammlung der aus Anlaß des continuirlichen Stürmens im Land zusammengelaufenen Leuten am Fuß des Rauenthaler Berges in der Eltviller Viehtriftshohl unter dem Albusser Weingarten von den Leuten, die wiewohl in lauter Unordnung und plebejischen Tumult, die importhune Anmutung an die Französische Parthie gethan, sie sollten einem die hohe Gefangene nebst der Beute losgeben oder es sollte ihrers Gebeins nicht davon kommen, worauf alsbald der Unglückslärmen angegangen.“ Von Hoffmanns Plan nichts ahnend waren also Trupps aus Eltville und Kiedrich den Franzosen entgegen gezogen, anstatt sich am Rhein zu den dort Wartenden zu versammeln. Nach der Schilderung von Hoffmann geschah dies jedoch ungeordnet und planlos und unter lautem Tumult.

 

Die Zahl der Toten und Verletzten schwankt je nach Schilderung, es scheinen aber auf jeder Seite jeweils 5 oder 6 Personen umgekommen oder verletzt worden sein. Namentlich werden erwähnt Johann Christian Schneider aus Bärstadt, Johann Salhausen aus Hallgarten, Johann Fischbach (Joes Eschbach) und Raimund Peez aus Rauenthal sowie Joes Becker, der aus Trier stammte und in Rauenthal als Schmiedegeselle arbeitete. Von den Geiseln ist niemand zu Schaden gekommen. Sie wurden samt ihrem Hab und Gut wieder heil nach Schlangenbad gebracht. Die Franzosen, denen man noch habhaft werden konnte, überführte man als Gefangene nach Mainz.

 

Die Herren Geh. Sanitätsrat Dr. Adolf Genth und Dr. Baumann von Schwalbach widmen dem wackeren Schultheißen Johann Georg Hoffmann eine Erinnerungstafel. Diese Tafel ziert noch heute die Fassade des ehemaligen Rathauses in der Martinsthaler Straße.

 

 

1709 Aus dem Hausprotokoll des Johann Georg Hoffmann:

 

„Den 6t. Januarij ist Ein solche strenge Kält Eingefallen, dass den 12t. dito bereits der Rhein zugegangen. Man beförchtet sehr, der Weinstock mögte auch erfrierhren, massen schier alle brunnen hier zugefrohren, wie auch der Rhein nechst hiernach.“

 

Durch den entsetzlich kalten Winter, bei dem alle Weinstöcke erfroren, gab es in diesem Jahr KEINEN Wein!

 

 

 

1741 Das Kreuz auf der Schießheck


aus den Notizen von Hans Wagner

 

Dieses Feldkreuz prägte seinem Standort den Namen, denn der Gemarkungsteil, in dem es errichtet wurde, heißt noch heute in allen Kataster und Flurkarten am Schwarzen Kreuz. Die naheliegende Vermutung, dass es in irgendeinem Zusammenhang mit dem schwarzen Tod der Pest errichtet wurde, wird durch die Inschrift weder bestätigt noch widerlegt.

 

Die auf der linken Seite bereits stark verwitterte und teilweise nicht mehr lesbare Inschrift lautet:

           

CHRIST….. DURCH

DEINEN TODT HILF JESU

UNS IN ALLER NOTH

LASSE DEIN MARTER

UNDT DEIN PEIN AN

UNS SÜNTER NICHT

VERLOHREN SEIN

…..   HE JOHANN HILD

UNTER SCHULTHEIS

IN RAUENTHAL

V.A.U.N. 1741          

 

Der Unterschultheiß Johann Hild verstarb in Rauenthal am 15. Dezember 1739. Wer das Kreuz zu seinem Gedenken errichten ließ, ist nicht bekannt. Johann Hild entstammte der Ehe des Bäckers und Gerichtsschöffen Johannes Hild. Sein Geburtsdatum lässt sich nicht mehr feststellen, da von den 14 Geschwistern - die zwischen 1697 1722 geboren wurden - 4 Söhne infrage kommen können: Johannes Philipp, Johannes Henricus,  Johannes Josef und Johannes Jodokus. Als das 14. Hild‘sche Kind geboren wurde, waren bereits 7 seiner älteren Geschwister verstorben.

 

 

1744 „De heilisch Bumbezeenes“ - Der Hl. Johannes von Nepomuk

aus den Notizen von Hans Wagner

 

An der Einmündung des Friedhofsweges in die Hauptstraße steht seit über 240 Jahren eine etwa 120 cm hohe Statue des Heiligen Johannes von Nepomuk auf einem schmalen Sockel von gleicher Höhe. Aufgrund einer im Rheingau üblichen Verballhornungen ist der Heilige auch in Rauenthal eigentlich nur unter der liebevollen Bezeichnung „Bumbezeenes“ bekannt. Zur Entstehung dieses Namens gibt die Rheingauer Heimatdichterin Hedwig Witte in ihrem Buch „Wie uns der Schnawwel steht“ folgende Erklärung: „An einer Rüdesheimer Hausmauer steht ein heiliger Johannes Nepomuk, der in alten Familienakten französisch als „nepomucien“ erwähnt ist. Auf rüdesheimerich wurde daraus ein „Nebumezienes“ und schließlich ein „Bumbezenes“, eine Gestalt auf die man alles abladen kann wenn‘s niemanden gewesen sein will.“

 

Johannes von Nepomuk wurde um 1350 in Böhmen geboren und war Priester in Prag. Am 21 März 1393 ließ ihn der böhmische König Wenzel foltern und anschließend von der Moldaubrücke in den Fluss stürzen. Nach der Legende soll Johannes von Nepomuk den Märtyrertod
erlitten haben, weil er sich weigerte, dem König das Beichtgeheimnis preiszugeben. 1729 wurde Johannes von Nepomuk durch Papst Benedikt XIII heiliggesprochen, und seitdem wird er als Patron der Schiffer, Flößer und gegen alle Gefahren des Wassers verehrt. Sein Bildnis steht auf vielen Brücken, sowie an Gewässern und in Häfen.

 

Diese Verehrung des Heiligen als Beschützer vor dem Ertrinken und gegen Wassergefahren verdankt auch der Rauenthaler Bildstock seine Errichtung. An dieser Stelle befand sich in früheren Jahrhunderten bis zur Errichtung der neuen Wasserleitung im Jahre 1898 einer der Rauenthaler Brandweiher, die hier sowohl in den alten Urkunden als auch in der mündlichen Überlieferung als „Wieden“ (in der Einzahl „Wied“) bezeichnet wurden, wahrscheinlich in einer Abwandlung von „Weiher“.

 

Die Rauenthaler Brandweiher erhielten ihr Wasser von der bereits erwähnten Quelle und Wasserleitung in der Teufelstränke. Die Inschrift auf dem Sockel des Bumbezenes-Bildstocks lautet in lateinischer Schrift: PROTEKTOR HONORIS ORAPRONOBIS DVX TIBI CRVX CHRISTI XM In deutscher Übersetzung: „Ehrenvoller Beschützer bitte für uns. Führer ist dir das Kreuz Christi.“

 

 

 

Bei den erhabenen Buchstaben des lateinischen Textes handelt es sich um die Jahresangabe in römischen Zahlen, sie lautet 1744. Der Stifter des Bumbezenes ist der Kurfürstliche Mainzer Hofgerichtsrat Anselm Franz Serger, der als Richter am Kurmainzischen Revisionsgericht - der höchsten und letzten Instanz des damaligen Kurstaats - tätig war und in Rauenthal seinen zweiten Wohnsitz hatte.

 

 

 

1768 Das Kreuz auf dem Langenstück

aus den Notizen von Hans Wagner

 


Kurz unterhalb der höchsten Stelle im westlichen Teil des Rauenthaler Berges - von der man das ganze Rheintal zwischen Mainz und Bingen überblicken kann -
steht auf einem schmalen hohen Sockel aus rotem Sandstein ein über zwei Meter hohes Kreuz aus dem gleichen Material.

Dieses Kreuz einschließlich dem oberen Querbalken und dem Korpus wurde aus einem einzigen Stein gehauen.

Die in den Sockel des Kreuzes eingemeißelte Schrift ist fast nicht mehr zu entziffern in einigen Jahren wird sie wohl unlesbar geworden sein. Die Inschrift auf dem Sockel lautet:

 

            DIES HAT

            AUFRICHTEN LAS

            EN ZU EHREN GOTT

            ES ANNA MARIA

            BARTHIN VON ADA

            M BARTH SEELIGEN

            HINTERLASSENE

            WITTIB UND IHREN

            SOHN JOHANNES BAR

            TH ZUR EHREN VER

            FERTIGHE LASEN

            1768 REQUIESCANT

            IN PACE       

           

Die Stifterin dieses Kreuzes - Anna Maria Barth, geborene Rau - stammte aus Eltville und hatte am 4. Oktober 1736 in der Rauenthaler Pfarrkirche Johannes Adam Barth geheiratet. Adam Barth verstarb hier am 7. August 1758. Johann Barthin Wittib - die Witwe des in der Inschrift erwähnten Sohnes der Stifterin - besitzt kurz vor 1800 ein Haus samt Zubehör gegenüber der Linden. Die Familie Barth lässt sich in Rauenthal bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts in den hiesigen Büchern nachweisen.

 

 

1773 Der Bildstock des Hl. Franz Xaver

aus den Notizen von Hans Wagner

 

Auf dem Weinberggrundstück des Herrn Max Wagner auf dem Langenstück steht beziehungsweise stand eine Muttergottesstatue von deren Existenz heute leider nur noch der Sockel kündet. Die Moderna selbst wurde vor einigen Jahren von Unbekannten entwendet. Es handelte sich hierbei um eine sehr schöne, im Stil des Barocks aus rotem Sandstein gehauene Immaculata, zum Zeichen der unbefleckten Empfängnis auf einer Schlange stehend. Die lateinische Inschrift auf dem noch vorhandenen hohen Sockel ist im oberen Teil durch die bereits geschilderten Witterungseinflüsse vollkommen zerstört. Der untere noch lesbare Rest der Inschrift lautet:

 

            D.J. Schuth

            Eccl. Cath. Worm Recepta…

            1778

 

In der deutschen Übersetzung: D. (Dominus = Herr) J. Schuth, (Steuer-)Einnehmer der Wormser (kath.) Kirche, 1778

 


Stifter dieser Sandsteinmadonna, Johann Schuth, war von 1761 bis 1779 Kellermeister (Rentmeister, Verwalter) am Wormser Domstift. Sein Bruder Johann Georg Schudt war von 1738 bis 1770 Domvikar in der gleichen Kirche. Beide gehörten zu der aus Eltville stammenden Familie Schuth, die um 1700 auch in Rauenthal er

scheint, im 18. und 19. Jahrhundert hier je einen Schultheißen stellte und noch bis in die 1960er Jahre als Besitzer des alten Gasthauses „Krone“ in Rauenthal bekannt war.

Mitglieder der Familie Schuth vom Gasthaus „Zur Krone“

 

 

1786 Jurisdictionalbericht Bender

 

Im März 1785 forderte die Regierung des Erzstifts Mainz von ihren Ämtern einen Bericht darüber an, welche Rechte und Jurisdiktionalfälle andere Regierungen, Adel und geistliche Körperschaften im Erzstift hatten und umgekehrt, welche Rechte Mainz in anderen Territorien besaß. Auch sollte mitgeteilt werden, ob solche Rechte bestritten waren oder nicht.

Im Jahr darauf, spätestens Anfang 1787, erstattete der Eltviller Amtskeller Bender den verlangten Bericht.

 

1798 Mädchenschule in Rauenthal

 

Nach der mündlichen Verfügung von der Rauenthalerin Eva Maria Siegfried gegenüber ihrer Mutter sollen 3000 Gulden aus ihrem Vermögen für die Errichtung einer Schule für arme Mädchen[xxx] in Rauenthal verwendet werden. Die Gemeinde Rauenthal wollte dieses Geld bei dem Tribunal (Gericht) in Mainz einklagen, konnte aber den Beweis für die gemachte Zusage nicht erbringen. Erst der Enkel der Frau Siegfried, Herr Lizentiat Traut aus Geisenheim bekräftigte den Wunsch der Verstorbenen und forderte auch die Siegfried‘schen Erben auf, auf ihr Gewissen zu hören und endlich den letzten Wunsch ihrer Verstorbenen zu achten. 1807 wurde die Mädchenschule endlich errichtet.

 

 

1805 Rauenthaler und Eselspfad[xxxi]

 

„In drei Wochen soll alles fertig sein‘, erzählten sich ungläubig die Handwerksmeister; sie sahen mich wie einen Geisteskranken an. Mit den Rauenthaler, die hinterm Buchenwald eine Stunde weit entfernt wohnten, stand ich auf du und du. Ob man Rheingauer war oder Nassauer, bleibt trotz der nur sechzig Minuten Entfernung ein großer Unterschied. Die Rheingauer wohnten auf fruchtbarem Boden. Wein, Blumen und Obst, alles, was von dort kann, war edler als sonst wo. Die Rauenthaler liebten ihre Pfirsiche, Birnen und Rosen wie Pflegekinder, und ihrer Liebe diente ein beständiger Fleiß. Die Schlangenbader dagegen waren ganz auf die Badeplatz-Existenz eingestellt. Nur wer schlau war, verdiente in den kurzen vier Monaten einer Sommersaison genügend, um den Rest des Jahres davon leben zu können. Für die Rauenthaler waren die Badegäste ein summender Bienenschwarm, für die Schlangenbader jedoch ein Verdienstobjekt. Die Schlangenbader behandelten uns Städter vorsichtig, die Rauenthaler aber waren Herren, offen, freundschaftlich und gleichberechtigt.

 

Herr Fehlinger aus Rauenthal, der über seinem bärtigen Gesicht einen breitrandigen Schlapphut trug, war ein wirklicher Freund. Er hatte immer Glanzlichtlein in den Augen und schenkte mir an Sonntagen eine Rose, wenn ich als Bub auf dem Geländer heruntergerutscht kam, an dessen Ende er seinen Obst- und Blumenstand hatte. „Für die Frau Mutter“, sagte er dazu, und etwas von männlicher Verehrung war in seinem tiefen Bass, was mich ihm heimlich verband. Die Rauenthaler Bauernherren waren besonders gut zu ihrem Vieh; das Schönste, was das Dörflein Rauenthal meiner Jugend bescherte, waren die silber- grauen, seidensanft befellten Esel, auf denen wir Kinder bei festlichen Gelegenheiten ausreiten durften. Einer hieß Hector und sein Eselin Bertha. Hector und Bertha standen stundenlang unter dem alten Buchenbaum, wo sich die Waldwege teilten, mit goldbefransten, roten Plüschsätteln, und der alte Wittemann, dem sie gehörten, trug noch seinen langen hellblauen Kittel und eine dunkle Mütze mit schwarzblankem Schild.“

 

 

1805 Die zu Wasser gewordene Eselspartie[xxxii]

von Bettina von Arnim

 

„Liebes Günderödchen, ich will dir heute berichten, von unserer Eselspartie gestern nach Rauenthal, sie ist zu Wasser geworden, aber erst am End, es kam ein ungeheurer Platzregen, wie wir noch eine halbe Stunde von Schlangenbad entfernt waren. Das zusammenlaufende Wasser von den Bergen herab ins Tal gab ordentliche Seen, die der Wind wellig kräuselte.

 

Und wie die Esel mitten durchs Wasser platschten mit uns, kam ein ungeheurer Donnerschlag, die meisten schrien auf, die Esel schrien nicht, aber sie warfen uns alle mit einemal herunter in die Pfützen, und da konnt keiner sich halten, nur der Engländer wollte es zwingen mit seinen langen Beinen, der Esel warf sich nieder und bäumte sich, und so galoppierten alle Esel fort, dass sie im Nu aus den Augen waren, die Eseltreiber hinterdrein, denen nachgerufen wurde, uns Laternen zu schicken. Der ganze Haufe konsultierte in der Pfütze, setzte sich nach wieder erlangter Besinnung in Bewegung, auf das verwirrte Untereinanderschreien folgt bald Stille, der Weg war zu beschwerlich, als dass man auf etwas anders denken konnte als nur, wie man den Fuß mitsamt dem Schuh wieder aus dem Morast heben wolle. Dies aber war nicht möglich, die meisten Schuhe blieben stecken, die Laternen kamen uns bald entgegen, die beschwichtigten Esel wurden wieder herangeführt, und so kamen wir zwar beritten in Schlangenbad an, aber in welchem Zustand?

 

Alle Strohhüte hatten im Morast gelegen. Die Schuhe fehlten, die Damengewande so nass, als sollte sie zu Statuen Modell stehen und die Herren nicht minder; man verfügte sich in die Bäder und kam neugeboren und neugestrählt heraus, ein Gesamt-Abendtee, in Pantoffel und Schlafröcken und Pudermäntel eingenommen, machte den Beschluss. Alles beschrie des Unfalls Jammer und lachte sich halbtot drüber.

 

 

 

 

 


1820 Rauenthaler Schulchronik

 

Der damalige Hauptlehrer der Rauenthaler Schule – Anton Schneider, gebürtig in Hallgarten – beginnt mit den Aufzeichnungen der Schul-Chronik (Bild oben).

 

 

1825 Der „neue“ Friedhof

 

Circa 1825 wurde der Friedhof rund um die Kirche aufgegeben, die Gräber ausgehoben und geebnet, die Gebeine im Beinhaus unter der Michaelskapelle verbracht. Der Kirchplatz verändert somit sein Aussehen immens.

 

Dafür wird der „neue Friedhof“ – an der Ecke Friedhofsweg – Antoniusgasse eröffnet; zum damaligen Zeitpunkt außerhalb (!) der Ortsgrenze.

 

 

 

1832 „Ein amüsanter Kauz“[xxxiii]

Alt-nassauische Gerichtsszene

 

Am 6.Mai 1832 fand in Neudorf und Rauenthal im Rhg. ein Polen-und Demokratenfest statt, über dessen Veranstaltung und Verlauf eine Gerichtliche Untersuchung eingeleitet wurde. Zu den nach Wiesbaden vorgeladenen Zeugen gehörte auch J. B. Rußler aus Rauenthal ein höchst origineller Mann, dessen Zeugenaussage große Heiterkeit hervorrief und damals handschriftlich verbreitet war. Nach einer dieser vergilbten Handschriften, die ihr defektes Dasein in einem rheinischen Bauernhause fristet, ist nachfolgende Zeugenvernehmung Rußlers wiedergegeben.

 

Rußler, der nur in seinem heimischen Dialekt spricht, grüßt den Richter beim Betreten der Amtsstube mit einem frischen „Gure Morje!" Dann präsentiert er dem Beamten seine birkene Tabaksdose mit der landläufigen Frage: „Js Ihne en Priesche gefällig?"

 

Der Richter lehnt die dargebotene Gabe ab und sagt. „Herr Rußler, wir schnupfen hier nichts. Sie sind vorgeladen, um Zeugnis zu geben, wie es in Rauenthal und Neudorf bei dem Polenfest zugegangen ist. Sie waren auch dabei?"

 

„Herr," entgegnete Rußler, „Sie müssen laut mit mer redde ! Dann warum? Ich höre nit mehr gut." (Die Fragen werden ihm nun laut gestellt.) Darauf erwidert der Harthörige: „Was wolle Se mit mer ? Eich sein en gurer Kerl ! Amool uf der Kermes hon se mich unschuldig verkeilt sonst hon eich mei Lebtags kaan? Streit gehabt und war aach noch uf kaaner Polizei. Ich hätt den Amtmann gar nit kenne gelarnt, wann se mich nit zum Ortsvorsteher gemacht hätte“

 

„Sie sollen ja nur Zeuge sein und uns den Vorgang der Wahrheit gemäß erzählen!"

„Na jo, das will eich aach."

 

„Sind Sie verheiratet?"

 

„Schon lang!"

 

„Wie alt sind Sie ? “

 

„Ja wenn eich das wißt! Mei Fraa sagt immer eich wär en alter Kerl und 70 Jahr alt; es is aber glaab ich nit wohr. Schreiwe Se emol 60 Johr, das is aach genug."

 

„So erzählen Sie nun, was Sie von dem Feste wissen. Wie und wo haben Sie denn erfahren, daß die Gesellschaft zusammenkomme?"

 

„Ei mei Bub is aach en Mustkant he schlägt die Trumm. Der kömmt haam und sagt, es käm en Gesellschaft nach Neudorf, wo Pole drunner wärn, und do sollt er mittspille. Uf der Kermesse losse eich en nit mitspille, das leid eich nit und brauchts aach nit. Am merschte hon eich en die Musik larne loss von wege der Kerchemusik die hörn eich vor mei Lewe garn, und se is aach recht hibsch. Nu hon eich hie und do gehört und aach aus de Zeiringe erausbuchstabeert daß die Pole gure Kerle wärn und dessentwege sagt ich zu meim Bub, geh hin und spill mit, eich komme aach hin. Eich docht die Pole wärn ganz anere Mensche, es is awer nit der Fall. Se waren recht schön, akurat eso wie unser aaner aach. Eich sein noch Neudorf gange uf die „Aussicht“ und hernoch beim Vetter Schraub do hon mer en Butell Wei ausgeblose un hernoch sein eich in Herrn Siegfrieds Keller und hon vor die Herrn Wei gefillt und doderbei hon eich als emoole Gläsche gehowwe und von der Stunn an hon eich en geschbiert“

 

„Sind Sie denn nicht mehr nach Neudorf zurückgezogen?“

 

„Mei Bub hot's gesaht, awer wie eich erunner und ennuff komme bin des waaß eich nit. Was mer der Lausbub so den anern Dag verzählt, das waaß ich. Erhot aach gesaht, eich wär besoffe gewese und das hat mich schwernots geärgert.“

 

„Wer war denn dabei?"

 

„Eich kenne kan von den fremde Mensche, eich kenne nor die Neudorfer und aach noch die Rauenthaler „Wer waren diese denn?"

„Ei no, das war der Vetter Bibo, und der Vetter Werner, und der Schultes Meister, und die anern all. Iwerhaupt is Neudorf und Rauenthal ei Blutsverwandschaft“

 

„Bei welchem Siegfried waren Sie denn?"

 

„Ei bei dem Eckmann; mit dem anern hon eich kan Komersch; eich sein aach kan Kiefer bei ihm und gar nicks."

 

„Es waren doch auch Herrn von Wiesbaden anwesend Kannten Sie denn davon Niemanden?"

 

„Kaan Mensche kenne ich von Wiesboore, als wie de Broviser Lang, der kömmt als emool bei mich' und dann blose mer aner  des Licht aus, und kaaner von der schlechte Sort . Ich war in meim Lewe iwerhaupt nor dreimal in Wiesboore. Es kost eim gleich zu vill in de Wirtshäuser; do wird mer geschröppt und dann mit dem leere Geldbeutel hamgeschickt. Was meene Se, Herr Amtmann, wann ich do aan gefragt hält', wer er wär, ei de hätt mer hinner die taabe Ohrn gehaage, daß ichs Rad geschlage hät. Naa met eim Wort, die ganze Geschichte ging mich nicks an."

 

„Kannten Sie auch keinen von den Advokaten?“

 

„Vom Leisler hon se geschwäzt, awer eich kenn ihn nit, und ich brauche aach kann Affekat eich mache mein Affekat selber"

„Wer war denn das Frauenzimmer?"

 

„Das waaß ich aach nit. Jwrigens hot se in der Schees gesesse und aach recht hibsch. Wann ich noch jung gewese wär, dann hätt eich mer se besser beguckt. Es hon noch zwei Herrn bei ihr gesesse das solle aach Pole gewese sei. Der aane hat sei Liweree oder Uniform an, wie mer das Ding nennt. Eich war uffs Kahlemihl aach Feldwebe."

 

„So? Haben Sie gedient?"

 

„Ja, beim Landstorm!"

 

„Waren Sie denn immer bei der Gesellschaft“

 

„Ei ich hon jo schon gesahd, daß ich iwerall dabei war; ich hawe auch drei Sauerwasserkrüg voll Wei aus dem Keller geholt."

 

„Haben Sie keine besondern Redner gehört?"

 

„Gehört haw ich nicks; ich hon nor gesehen, daß bei dene die Mäuler gange sin, wie bei de Wäschweiber“

 

„Wissen Sie keine Rede zu sagen?"

 

„Naa! Eich sein so ab- und zugangen. Eich war als emol in meim Keller, dann wieder in Herrn Siegfrieds Keller, do kann ich schalle und walle, wie ich will!"

 

„Ist nicht Jemand aufgestauden und hat etwas geredet?"

 

„Ja das Ding kam mir emol so komisch vor? do sein se ufgestanne und hon die Gläser so hoch gehowe, wie se konnten und doderbei hon se geschriee: „Hoch, Hoch, Hoch !“ daß en fast die Aage vor der Köpp gestanne hon. So en Dicker hot uffem Disch gestanne und hot gesagt, die Rauenthaler thäte so en gure Wei ziehe, se thäte noch de 6 Schampagner iwertrepe. Es war en recht vergnigter Dag. Eich wär' en schuftiger Kerl gewese, wann ich nit aach ebbes zum Beste gewe hätt. Eich sein kaaner, der Bankerott gemacht hot und aach kaa Verschwenner! Verstieht Ihr mich?"

 

„Ist denn sonst gar keine Rede gehalten worden?"

 

„Ich hawe nicks gehört, und iwerhaupt ze sage, bei mer muß hart geschwätzt wern, wenn ich alles verstehen soll. Soll ich noch do bleibe?" (Rußler nimmt die Mütze und will fort.)

 

„Noch ein wenig! Können Sie sich nicht erinnern, ob etwas über die Wirksamkeit der Landstände gesprochen worden ist?“

 

„Ich habe nicks davon gehört!"

 

„Ist den Landständen ein Lebehoch gebracht worden?"

 

„Ei die hawe jo nicks fertig gebracht die sein jo ausenanner gelaafe. Es is nit wohr, ich hawe nicks davon gehört. Ich kanns ach nit mehr so behalle, eich hon de Kopp nit meh devor. Ja, wann ich noch funfzig Johr jinger wär, dann wärs en anner Sach."

 

„Ist denn nicht vorgekommen ob die Steuer bezahlt oder nicht bezahlt werden soll?“

 

„Ei mer hawe jo erscht zwei Simpel Steuer bezahlt! Was wolle Se dann schon wieder mit Steuer? Seit drei Johr hawe ich nor ei einzig Stick Wei verkauft und mei Geld is ziemlich all, und die Kinner wolle Schuh und Strimp hawe, und ebbes zu kaue. Ist der Bauer dann nur dafür do, um Steuern zu bezahle? Mit dene Sprüng bleib mer nor aaner vom Leib!"

 

„War nicht die Rede von einer bevorstehenden Revolution?"

 

„Alleweil hawe Se awer recht! Sich, des wär grad ebbes für mich! Der Erschte, der so ebbes schwätze thut, sich (zieht sein Brotmesse), den steche ich mausetod. Wer hot dann noch ebbes zu verlieren, doch nor der Weinbauer, der noch en paar Fässercher Wei im Keller hot, und noch en paar Läppercher Weißzeug in der Kist und bei som Durchenanner geht der merschte Wei noch zu Grund, der dorch die Gurgel gejagt wird, is der wenigste, der merschte wird verschütt und läuft in de Dreck. Eich kenn die Bosse aus frühere Zeit, eich war domols noch debei. Ei do schreiwe Se immer fort mer meint Se thäte jedes Wort ufschreiwe das ich rede!"

 

„O nein!"

 

„Alles was Se thun, nor die Leut in Friede gelosse. Mir sein noch gute Lateiner. Do hawe mer de Schullehrer Ligius gehabt und den Miller die warn gesalze."

 

„So! waren die streng?"

 

„Wann mer bei dene in die Schul komme is und mer hatte sei Neuster nit perfekt gelernt, dann is mer schön onkomme die hawe das Bloe vom Himmel runner gehaage. Jetzt is gar nicks mehr mit dene deutsche Michel."

 

„Wurde nicht ausgemacht, daß man bald wieder zusammen komme wolle?"

 

„Mit meim Wisse waaß ich net, daß mer aach nor aam Mensche en Leid zugefügt hawe, und wann se wieder komme, dann hol ich vom Besten, den ich im Keller liege hawe."

 

„Ich will Ihnen das Protokoll vorlesen!"

 

„Meinetwege! Aber langsam, laut und deutlich!', (Das Protokoll wird vorgelesen)

 

„Wollen Sie nun unterschreiben"

 

„Jo. jo !" (Er zerarbeitet sich mit seiner Brille.)

 

„Sie kommen nicht gut mit Ihrer Brille zurecht?"

 

„Nor Geduld mit de alte Leut! Schreiwe kann ich noch wie en Affekat aach ohne Brill, aach lateinisch, awer wann ichs geschriewe hawe, dann kann ich's nit lese." (Endlich hat er unterschrieben)

 

„No, Herr Amtmann, dann komme Se aach emol bei mich,  Se solle sehen, daß ich kan Schuft bin, und ich hole von meim Besten und dann thun mir zwaa aach emol aan zesamme blose. Wann Se aach en Stich krieje, das thut nicks , ich kanns Maul halle, und unner uns gesaht, eich verrote nicks, Adjes!“

 

Nachwort:

Johann Babtist Rusler (Küfer und Winzer) * 1769 + 3.9.1853 in Rauenthal, Bürgeraufnahme am 11.5.1801 verheiratet mit Anna Maria Schraub * 1776 in Rauenthal Sohn (Musiker) Johann Adam Rusler * 1810

Der Hintergrund für das beschriebene Polen- und Demokratenfest:

 

Der Novemberaufstand 1830 in Warschau / Polen. Zur Unterstützung des polnischen Aufstandes gegen die Oberherrschaft des russischen Zarenreiches wird in Hanau ein "Hauptverein für Verwundete und Leidende im Königreich Polen" gegründet. Zahlreiche Initiativen in Hessen, wie Polenfeste, Polenvereine, Polenhilfe, erreichen ihren Höhepunkt in besonderen Benefizaktionen (Lotterien und Konzerte) für polnische Offiziere und Soldaten, die nach der Eroberung Warschaus durch die russische Armee nach Westen fliehen. 400 Flüchtlinge werden im Januar 1832 in Gießen, 1.500 in Groß-Gerau versorgt. Diese Entwicklung wurde natürlich von der Landesregierung vom Herzogtum Nassau mit Besorgnis verfolgt.

 

Ein Funken war entzündet und Jahre später kam es nach der nach der Revolte in Frankreich, die sich auf Europa ausbreitete, am 4. März 1848 zu einer Revolte vor dem Wiesbadener Schloss bei dem sich mehr als 30.000 Menschen, vor allem Bauern, beteiligten, denen es in der Hauptsache um die Aufhebung von Pacht- und Zinslasten ging, die durch die wirtschaftlich schweren Zeiten vorhergehender Jahre noch verschärft wurden.

 

 

1843 Die vergessene Kapelle

 

Zwar geht man heute davon aus, dass die Kapelle auf der Bubenhäuser Höhe (s. oben 1694) bereits vor dem Jahre 1820 abgerissen worden sei, doch finden sich Berichte aus späterer Zeit, die sie noch erwähnen.

 


„Im Rheingau, wo das Thal weit und fruchtbar ist, sind die Kapelle bei Rauenthal, […] die Punkte, welche die freieste und schönste […] Aussicht gewähren.“[xxxiv]

 

 

1845 Eine Unwetterkatastrophe

aus der Schul-Chronik

 

„Am 14t Juni d. J. wurden die Bewohner von Rauenthal, weniger ihre Nachbarn zu Neudorf, Kiedrich, Oberwalluf und Eltville durch Ungewitter in fast namenlosen Schrecken und in solchen Verlust versetzt, der kaum zu benennen und entsetzlich ist.

           

Es war des Nachmittags zwischen 4 und 5 Uhr, als sich über den Häuptern der Bewohner Rauenthals starke Dunstmassen zusammenstellten und, begleitet von unregelmäßigen Winden, sich immer tiefer nach der Erde neigten. Nicht lange währte dies, so rauschte schon das Wasser, mit Hagel vermischt, gleich Bächen zur Erde.

 

Keine Menschenhand und kein Mittel war zu finden, wodurch dem furchtbaren Ereigniße und dessen Verheerungen einigermaßen nur entgegengewirkt werden konnten. Es währte die Crisis dieser Elementarwuth doch kaum eine halbe Stunde, als man, theils schon am nämlichen, theils am folgenden Tage, die gräßlichsten und fast unnennbarsten Verheerungen u. Verlustigungen in den Feldern bemerkte. Ganze Acker u. Raine, ja 3 – 400pfündige Steine wurden weggespült und nach den Tiefen versetzt; ja so reichlich waren (106) die Fluthen, daß sie an den tiefer gelegenen Stellen gleichsam einen See bildeten. Ein großer Theil der Acker verlor allen Dünger mit Dammerde und Bepflanzung bis auf den Felsengrund, die theils in hiesiger, theils in Neudorfer oder Eltviller Gemarkung erst Ruhe und Boden fanden, oder sie schichteten sich in den Wiesen, an mehreren Stellen 3 – 4, bis 5, Schuh auf, die mitunter durch keine Spur dem vorigen Culturamt mehr kennbar waren u. nun vielmehr jetzt ganz einer Wüst glichen.

 

Hingegen steht, alles dieses fast in gar keinemVergleiche mit der Verheerung in den Weinbergen. Weil die Lage der Weinberge von mehr oder weniger schiefer Richtung ist und daher fast von allen Seiten des Dorfes den Gewässern hier Durchfluß verstattet, so erfolgte letzteren, an den steilsten Stellen besonders, wie z. B. eben in den vorzüglichsten u. höchstpreisigsten Weinbergslagen Wieshell, Gehrn, Rothenberg u.s.w. mit desto nachdrücklichster Kraft.

 

Der nicht lange vorher vom emsigen Winzer durch den Bau mühsam aufgelockerte Baugrund wurde mehr oder weniger, an manchen Stellen 6 – 7 Schuh tief, samt Dünger, Weinstöcken u. Pfählen bis in die Ebene, theils bis nach Eltville, weg gespühlt, so daß die Stellen nicht mehr als Weinberge, vielmehr als Stein- oder Thongruben aussahen. Zum unvergeßlichen Denkmale muß ich bemerken, daß man Kartoffeln von den Rauenthaler Ackern zu Neudorf u. am Kloster Tiefenthal (107) und Pfähle aus den Weinbergen nahe an Eltville gesammelt hat.

 

So fand unter anderem der Verwalter des Herrn Grafen von Eltz in Eltville, Herr Lorenz Kett, Sohn des ehemaligen Oberschultheißen dermaligen Feldgerichtsschöffen, Herrn Ludwig Kett von hier, Pflöcke aus den Weinbergen seines Vaters, welche mit den Anfangsbuchstaben desselben Namens (L.K.) gestempelt u. dadurch kennbar waren. Andere Weinstöcke, die von den Fluthen und durchrollenden Steinmassen nicht gänzlich entwurzelt u. fortgeflößt wurden, hat man in großer Menge von den Rebzweigen an bis theils zur tiefsten Stammwurzel, von ihrer Rinde gänzlich abgelöst u. skeletiert, kurz in einem solchen Zustande gefunden, daß vorher durch eine neue Aus- und anrottung, durch Zuführung anderer Erde und endlich erst nach langjähriger Verbesserung durch Bau u. Dünger die Weinberge, jedoch im äußersten Falle nur zu einem Jahr mittelmäßigen Ertrage zu kultiviren seyen. Da dieses traurige Natureigniß sich mehr über die bessern, als über die geringeren Weinbergslagen verbreitet und entladet hat, so wird von den erfahrensten Winzern u. Gutsbesitzern der Schaden u. Verlust, auf einen Zeitraum von wenigstens 50 Jahren berechnend, bis 50.000 fl. [Gulden] durchschnittlich angenommen.

 

Seine Hoheit, der Herzog Adolph von Nassau, hat Rauenthals Klagen indessen gehört u. Ueberzeugung von deren Ursachen gefunden, u. als Entschädigung seinenteils den sämtl. Gutsbesitzern von Rauenthal die herrschaftl. Grundsteuer pro 1845 zu erlassen geruhet. (108) Noch durch andere, der Vegetation der Pflanzen sehr nachtheilige Naturereignisse wurden große Erdgegenden in diesem Jahre stark heimgesucht, wobei auch Rauenthal u. dessen Umgebung hart mitgerissen wurden.“

 

 

1851 Blick von der Bubenhäuser Höhe[xxxv]

 

„Bei Rauenthal verlassen wir die mühlenreiche Waldaff [Walluf], die uns sonst wieder nach Schlangenbad führen würde, und besuchen die drei Waldflecken, Rauenthal, Kiedrich und Hallgarten, welche sich hoch über den Rheinorten, von welchen sie durch die Weinberge geschieden werden, am Saum des Waldes in dem Rhein gleichlaufender Linie gelagert haben. Von den Reizen dieses Weges, der allen Ausbiegungen des vielgegliederten Gebirges folgt, bald in dunkeln Laubschatten taucht, bald wieder ans Licht vor Aussichten blendender Schönheit tritt, hat der Reisende, der unten auf der breiten Rheinstraße fährt, schwerlich eine Ahnung. Auch wird er dort vom Rheingau nicht den rechten Begriff gewinnen. Er hält es vielleicht für ein ganz ebenes, nur von fernen Höhen begrenztes Land, und seine Rebenberge, wenn er sie vor den nächsten Weingärten bemerkt, sind ihm wohl nur sehr sanfte Hügel. Und so ist es wirklich mit denjenigen, die sich dem Rheine zunächst in die Fläche verlieren, aber sie werden höher hinauf immer steiler, und wo sie den Wald erreichen, zeigen sie sich oft so jähe, dass man den Haingerichtsschlüssen beistimmen muss, welche weiteres Rotten verboten.

 

So hat Rauenthal, das man am Rheine gar nicht bemerkt, weil es sich der Waldaff zuneigt, den Namen von der Schroffheit seines Berges, welchen Mainz, als wuchernde Rottsucht schon alles umher urbar gemacht hatte, gegen einen Weinzins armen Leuten überließ, die bald reiche Leute wurden, denn dieser rauhe Berg, den sie beim Anrotten wohl manchmal verflucht hatten, wie die Flurbenennungen Geierstein und Wisshell (gewisse Hölle) noch zu sagen scheinen, lieferte ein treffliches Gewächs, von dem sich die Mainzer Domherrn den Zehnten in natura ausbaten, und jetzt kostet hier der Morgen Weinberg an dritthalbtausend Gulden. Rauenthal ist den Schwalbacher und Schlangenbader Kurgästen durch die verfallene Bubenhäuser Kapelle wohl empfohlen, bei der man eine Aussicht über beide Ufer des königlichen Stroms genießt, wie sie Fee Morgana nicht zauberischer schaffen könnte. Das dunkle Waldgebirge mit seinen gewaltigen Eichen bildet einen prächtigen Gegensatz mit den lichtgrünen, so schön ins Thal auslaufenden Rebenhalden.

 

Und dies Thal von Mainz bis Bingen, von Kassel [Kastel] bis Rüdesheim in aller Fülle der Fruchtbarkeit prangend, mit blühenden Ortschaften und leuchtenden Palästen übersäet, sanft angespült von dem schön gewundenen, auenreichen Strom, umkränzt von weintriefen- den, anmutig thronenden Hügeln, überwacht von höheren aus blauer Ferne herüberblickenden Gebirgen und zuletzt bei Bingen durch ein mächtiges Felsenthor geschlossen, wer ist Mann solch ein Paradies zu schildern? […]

1855 Die Geschichte der Bubenhäuser Höhe – Teil 2

 

2. Mai 1855 verpachtete die Gemeinde Rauenthal die Bubenhäuser Höhe auf unbestimmte Zeit an den herzoglich nassauischen Domänenfiskus, vertreten durch den herzoglichen Hausverwalter Riedel in Schlangenbad. Der Pachtvertrag sah vor, dass der Domänenfiskus auf der Bubenhäuser Höhe eine Parkanlage und einen Aussichtspavillon für die Schlangenbader Kurgäste errichten solle und dafür ein jährlicher Pachtzins von 4 Gulden an die Gemeinde zu entrichten sei. Es wurde jedoch weder Park noch Pavillon errichtet.

 

 

1864 Auch ein Jubiläum

aus der Rauenthaler Schulchronik

 

„Gleichzeitig u. wunderbarer Weise am selben Tage, welchen ganz Nassau aus Veranlassung des fünf u. zwanzigjährigen Regierungs-Jubiläums Sr. Hoheit des Herzogs festlich begehen wird, feiert ein weltbekannter u. vielgenannter Ort unseres Herzogthums ein zweites seltenes u. hehres Jubiläum. Sein 400stes Kirchweihfest hat alsdann, das weinberühmte Rauenthal. Entstanden im 13. Jahrhundert erhielt es im 14. eine eigene Kapelle und im 15. Jahrhundert die jetzige Kirche, die, im gothischen Stile aufgeführt, bedeutende Spuren vom Nachbau zeigt. Letzterer wurde veranlaßt durch einen Brand, welcher im 15. Jahrhundert das Dorf fast ganz zerstörte u. auch die Kirche arg beschädigte. Eine Inschrift über der sogenannten Brautthüre gibt 1464 als das Jahr der ersten Vollendung an.“

 

 

1870/71 Die Neue Chaussee

 

Die „alte“ Chaussee war bis dato der einzige Weg von und nach Rauenthal, wenn man von Süden her hierhin wollte. Die steile Straße nach Rauenthal war keinesfalls befestigt und bei schlechtem Wetter eine wahre Herausforderung für Fuhrleute, insbesondere was den Transport der schweren Weinfässer anbelangt. Circa 1870/71 begann man mit dem Bau der „Neuen Chaussee“.

 

 

1874 Rauenthal

 

(16,2 km nordöstlich gen Osten von Rüdesheim). Kirche: Chor und Schiff wird durch die katholische Kirchengemeinde, der Thurm durch die Civilgemeinde erhalten. Die Kosten der Unterhaltung betragen jährlich ca. 50 Taler.

 

 

1882 Die Geschichte der Bubenhäuser Höhe – Teil 3

 

Am 25. April 1882 versuchte der ehemalige herzogliche Hofkoch Wilhelm Brückel die Gemeinde Rauenthal ihm die Bubenhäuser Höhe zur Errichtung eines Sommer-Restaurants gegen die jährliche Pachtsumme von 200 Mark zu verpachten.

Der Gemeindevorstand bat daraufhin den königlich preußischen Regierungspräsidenten als Rechtsnachfolger der herzoglich nassauischen Regierung um Aufhebung des 1855 geschlossenen Pachtvertrags, zumal die Bedingungen durch den Pächter hinsichtlich der Errichtung des Parks und Pavillons nicht erfüllt worden seien. Der Regierungspräsident gab dem Ansuchen der Gemeinde statt, aber aus den hochfliegenden Plänen des Hofkochs Brückel wurde ebenfalls nichts.

 

Daraufhin schloss die Gemeinde am 24 Mai 1884 einen weiteren Pachtvertrag mit dem Taunusklub in Wiesbaden, worin sich der Pächter verpflichtete einen Aussichtsturm und eine Schutzhütte zu errichten. Nach jahrelangen Anmahnungen der Gemeinde stellte sich schließlich heraus, dass der Club kein Geld besaß, um die zugesicherten Bauvorhaben zu verwirklichen.

 

 

1889 Die Geschichte der Bubenhäuser Höhe – Teil 4

 

Am 28. Juni 1889 stellte der Vorstand der Weingutsverwaltung Wilhelmj AG - die auch in Rauenthal ausgedehnten Weinbergsbesitz hatte - bei der Gemeinde Rauenthal den Antrag, „auf der Höhe von Bubenhausen zur Erhöhung des Weltrufes des Rauenthaler Berges einen monumental großartigen Aussichtsturm zu errichten“, aber ehe es zur Verwirklichung kam, war dem Weingut Wilhelmj das monumentale Geld ausgegangen und es blieb alles beim Alten.

 

 

1893 Adressbuch & Gewerbeverzeichnis von Rauenthal

 

 

 

 

 

 

 



 



 



 

 


1897 Ein Erinnerungsfoto

 

Das Bild zeigt die Familie Weber, die damaligen Besitzer des
Rheingauerhof und trägt folgende Widmung:
„Zur schönen Erinnerung an den in prächtiger
Winterlandschaft verlebten 18. Januar 1897“

 

 

1897 Sissi zu Gast in Rauenthal

aus dem Tagebuch der Gräfin Imra Sztaray,

Hofdame der Kaiserin Elisabeth von 1894 bis 1898[xxxvi]

 

„Bei einer anderen Gelegenheit besuchten wir Rauenthal und daselbst Mutter Winter, die Besitzerin des Nassauer Hofes, die weit und breit ob ihres guten Humors und ihrer rückhaltlosen Redeweise berühmt war.

 

Mutter Winter nahm uns freundlich auf, redete uns mit „Gnädige Frau“ an und amüsierte uns während des Mittagsmahls mit ihren zutreffenden Bemerkungen, so dass wir gar nichts an ihr auszusetzen hatten.

In ihrem Äußern etwas derb, doch klug und voll gesunden drastischen Humors, machte sie es einem unmöglich, sich des Lachens zu erwehren. Mutter Winter brachte auch die Kaiserin zum Lachen. Dafür bin ich ihr noch heute gut. Nachmittags besichtigten wir die Umgebung, wobei sich die Kaiserin mit einem alten Manne ins Gespräch einließ und die Namen der im Umkreis liegenden Dörfer erfragte.

[…]

Der Ausflug war genussreich und der Tag angenehm, weil ich die Kaiserin nach langer Zeit zum ersten Male wieder heiter sah. Ich muss nur erwähnen, dass unser Inkognito diesmal zuschanden wurde; drei Tage später stellte sich Mutter Winter richtig mit einem mächtigen Gugelhupf bei der Kaiserin ein.

[…]

Die Kellerei der Mutter Winter ist berühmt. Gelegentlich unseres Besuches erwähnte die Kaiserin, dass sie mich und den Grafen
[Bellegarde] zur Weinprobe senden würde.

 

 

 

1899 Kleinbahn Eltville-Schlangenbad[xxxvii]

 

„Eltville, 12. Febr. Die an der Kleinbahn Eltville-Schlangenbad beteiligten vier Gemeinden Eltville, Neudorf, Rauenthal und Schlangenbad müssen auch für das abgelaufene Jahr 1898 erheblich zum Garantiefonds zuschießen. Denn die schlechte Witterung des Jahres 1898 erbrachte der Bahn einen geringeren Verkehr als in 1897, wo bereits ein bedeutender Zuschuß von Gemeinden vertragsmäßig geleistet werden mußte. Die Bahn Eltville-Schlangenbad wird sich als Stichbahn wohl schwerlich jemals rentieren. Eine Durchführung bis Schwalbach und damit ein Anschluß an die Aarthalbahn ließe eher eine Rentabilität erhoffen, da alsdann der Rheingau direkte Verbindung mit der Aar und mittleren Bahn erhalten würde. Diese Fortsetzung ist auch bereits als elektrische Bahn geplant.“

 

„Neudorf, 15. Febr. Gestern Abend als der letzte Zug der Kleinbahn nach 9 Uhr von hier nach Eltville fuhr und in die Nähe der Kaisereiche kam, sprang ein Mann über das Geleise und wurde von der Maschine erfasst und 3 – 4 Meter fortgeschleift, bis der Zug zum Halten kam. Die Bahn nahm den stark Beschädigten mit nach Eltville, wo er im Schwesterhaus aufgenommen wurde.

 

Passanten, welche gegen 8 Uhr abends von Eltville nach Neudorf gingen, wollen denselben Mann kurz hinter Eltville schon im Chausseegraben liegen gesehen haben, und ist derselbe als Jos. Haas, Musiker, 50 Jahre alt, von Rauenthal erkannt. Derselbe hat jedenfalls des Guten zu viel gethan, so daß er seiner Handlungsweise nicht bewußt gewesen ist.“

 

 

Der Rauenthaler Bahnhof

 

 

 

 

 

 

ca. 1900 „Des Raffelche“

– von Rudolf Dietz

 

Des Philippche in Rauedal
Hot dreißig Johr geblose,
Un hot jed‘ Nacht die Stunnezahl
Ins Wächterhorn gestoße.

 

Un wie er war schon alt un krumm,
do schrieb de Landrat Werner:
Die nächtlich Bloserei wär dumm,
Abrufe wär moderner.

 

Do rief de Philipp zwei un drei,
Doch bald die Leut verzählte,
Zwei kläng wie schwei und drei wie schwei,
Weil vorn die Zäh‘ ihm fehlte.

 

Zwelf Mack des Ort bewilligt hat
Do for die Landratsbosse,
De Philipp soll sich in de Stadt
E‘ Raffel mache losse.

 

Un guck, er kam dann aach zerick,
Un weiße Mäusezäh‘ harre
Un rief beim Scholthes voller Glick
„Zwei – drei!“, grad wie en Parre.

 

Doch wie um zwei de Scholthes hot
Sei‘ Räuschche hamgedrage,
Do rief de Philipp wie zum Spott:
„Es hot grad schwei geschlage!“

 

De Scholhes packt en an de Brost
Un daht’n wietig frage:
„Schwei riefste, un heut Middag hot
De zwei doch könne sage?“

 

E‘ schlau Gesicht de Philipp macht:
„Des is nur desdewesche -
De Doktor saat, eich misst die Nacht
Mei‘ Zäh ins Wasser lege!“

 

Rauenthal und die Mutter Winter.

2. Beilage zum „Wiesbadener General-Anzeiger“ Nr.71, Sonntag, den 24. März 1901, 16. Jahrgang

 

Heinrich Schaeffer, der unsernLesern wohlbekannte Barde zum Gockelhahn, hat auf den „Rauenthaler“ ein köstliches Poem verfaßt, das er „seiner gastfreundlichen Landsmännin und Wirthin“ zum Andenken widmet; hier folgt es:

 

 „Der Name ist nur Schall und Rauch!“

Sagt Faust zu seinem Gretchen,

Und wer die Welt kennt, muß das auch

In vollem Maß bestät’gen.

 

Ein „Piccolo“ ist oft recht groß,

Und „magnum bonum“ kleine,

Und auf dem „Stiefelknecht Famos“

Zerbricht man sich die Beine,

 

In Perleberg sind Perlen nie,

In Heldburg keine Helden,

In Schweinfurt ist das Borstenvieh

Verhältnismäßig selten.

 

Meist klingt der Name schöne und hold,

Versprechend viele Wunder,

Meist ist der Name lauter Gold …

Und Talmi steckt darunter!

 

Doch manchmal ist es umgekehrt;

Der Name will nicht taugen

Und kostbar ist und vielbegehrt

Was er verbirgt den Augen!

 

Dann freilich ist der Fall famos

Und wirkt wie ein Erlöser,

Dann ist die Freude riesengroß

Und wird noch immer größer.

 

Hallo! Jetzt rückt zusammen all‘

Und hört mich liebe Kinder!

Will Euch erzählen solchen Fall!

Kennt Ihr „die Mutter Winter?“

 

Verfroren, Kälte im Gebein,

Pack-Eis in den Gedärmen,

Kam ich vom Norden nach dem Rhein,

Um mich dort aufzuwärmen.

 

Wiesbaden trug den Frühlingsstaat

Kokett und nett wie üblich,

Im Buchengrün lag Schlangenbad

Gar wonnesam und lieblich.

 

Der Sonnenschein, mein liebster Freund,

hat kosend um umfangen,

Backhändelartig angebräunt

Erglühten meine Wangen.

 

Nach Rauenthal, dem nächsten Ort,

Bin ich nachher gekommen

Und hab bei Mutter Winter dort

Patschnaß Quartier genommen.

 

Wenn man sich freut auf Sonnenstrahl,

Auf Lenz und Lenzeskinder,

Hört man nicht gern von „rauhem Thal“

Und hört nicht gern von „Winter“.

 

Was half’s? Ich mußte schmerzbewegt

In jener Schenke bleiben,

Der Regen klatschte unentwegt

Beharrlich an die Scheiben.

 

Frau Wirthin gab mir gut Quartier,

Sie wußte hold zu plauschen,

Erzählte manches Stücklein mir

Und ließ auch Verse rauschen.

 

Sie sprach so gut und treugesinnt

Vom Kaiserpaar, dem alten,

Und nannte manches Fürstenkind,

Das Einkehr dort gehalten.

 

 

Manch altes Bild zog sie hervor,

Manch selten Angedenken,

Am Ende kam auch der Humor,

Das Glas mir vollzuschenken.

 

Und aus der Flasche floß ein Wein

In meine durst’ge Kehle,

Mit Frühlingspracht und Sonnenschein

Durchflutend mir die Seele.

 

Und da die dritte Flasche kam,

Da mußt‘ es klar mir werden:

So wonnig, sonnig, wonnesam

Ist’s nirgend auf der Erden!

 

Viel blanke Thaler, blankes Geld

Kann zeigen Euch der Prahler:

Der beste Thaler auf der Welt

Ist doch der Rauenthaler!

 

Hallo! Es war ein guter Stern,

Der mich hierher ließ schweben,

Und fromm bitt‘ ich den Himmelsherrn:

Beschütze hier die Reben

 

Auch wenn ich längst von hinnen schied,

Hab‘ ich Dich gern nicht minder,

O Rauenthal, Dir klingt mein Lied,

Und Dir, o Mutter Winter!

 

 

 

1903 Die Rauenthaler Winzerhalle

Anzeige im Wiesbadener Generalanzeiger


Nr. 115 vom 17. Mai 1903

 

 

 

 

1904 Eine Maifahrt nach Rauenthal

Wald- und Weinstudie von G. Fr. Schauß[xxxviii]

 

„[…] Rauenthal verdankt seinen Ruf seinem Wein. Rauenthaler ist eine Weltmarke; seine Güte in den besten Jahren ist unübertroffen. Eine Flasche Rauenthaler Wieshell oder Baiken oder Gehrn oder Rothenberg oder Langenstück, meinetwegen aus den 1886 oder 1893! Wem liefe nicht schon beim Klange dieser Worte das Wasser im Munde zusammen? An Bouquet und Würze wird dieser Göttertrank vielleicht vom Kiedricher Gräfenberg oder Hattenheimer Rußbrunn oder Mannberg, vielleicht von dem gewürzigen Markobrunner erreicht; vom Steinberger kaum übertroffen! Auf der Pariser Weltausstellung im Jahre 1869 tragen die Rauenthaler Weine den Sieg davon, und seitdem ist bei Erwähnung der größten Weine der Rauenthalerberg immer einer der klangvollsten Namen geblieben. Die bedeutendsten Rheingauer Forensen haben sich daher im Rauenthalerberg die besten Lagen gesichert und an der Spitze steht nun die Königlich preußische Domäne. Nicht zu vergessen ist als einer der großen Weingutbesitzer Rauenthals unser Wiesbadener Landsmann Herr Kimmel. Rauenthal selbst birgt eine größere Anzahl guten Weinwirtschaften; Namen wie Weber, Wagner und Winter sind ja jedem Besucher Rauenthals geläufig, und auch Sturm und Schuth haben guten Klang. Wer hatte nicht schon aus dem Munde der Mutter Winter gehört, daß Kaiser Wilhelm und Kronprinz Friedrich bei ihr eingekehrt und aus dem gern gezeigten Kaiserglas 1868er getrunken!

 

Auch der Rauenthaler Winzerverein hat sich tüchtig herausgemacht Das erste Haus eingangs des Dorfes ist die Winzerhalle, welche über den nach neuestem Muster konstruierten Kellergewölben in großen Räumen erbaut ist. Auch hier wird ein reiner Wein der vereinigten Winzer zum Ausschank gebracht. Die kürzlich abgehaltene Versteigerung der 1901er und 1902er hatte ein recht gutes Ergebnis.
Wenn auch alte Jahrgänge nicht lagern, so zeigen doch die ausgeschenkten 1900er von guten Lagen und rationeller Bewirtschaftung. Eine Rast in dieser Halle kann aufs Beste empfohlen werden. Von der Veranda der Halle bietet sich außerdem ein prächtiger Blick auf den Taunus.

 

Die altertümliche Kirche mit dem gotischen Turme ist der Besichtigung wert. Wer Sinn hat für Historisches, dem wird auch die Gedenktafel am alten Rathause, die die heldenmütige Tat des Bürgermeisters Hofmann, der 1806 [hier irrt Herr Schauß, es war natürlich im Jahre 1709!] den Einfall der Franzosen in den Rheingau verhinderte, dem Gedächtnis erhält, auffallen.

 


Ein Spaziergang auf die Bubenhäußer Höhe über den Weinbergen des Rauenthalerberges sollte niemand verabsäumen. Der Blick über den Rheingau ist ein umfassender. Mächtig liegt der rebenbekränzte Strom von Mainz bis Rüdesheim vor dem Beschauer. Es ist unstreitig einer der schönsten Punkte am Rheinstrom, an dem man lange weilen möchte. […]“

 

 

Bild rechts: ca. 1907

 

 


 

 

 

1910 Rheingauer Adressbuch - Rauenthal

 

 


 


 


 



 

 


1911 Schweres Unwetter[xxxix]

 

„Aus dem Rheingau, 27. August. Gestern ging über das Gebiet des mittleren Taunus ein heftiges Unwetter nieder. Besonders stark hat das Wetter mit seinem wolkenbruchartigen Regen im Rheingau von Johannisberg bis Eltville gehaust. Die von den Bergen herniederströmenden Wassermassen haben in zahlreichen Weinbergen Verheerungen angerichtet und zum Theil das Erdreich direkt abgeschwemmt. Auch auf den Feldern und in den Gärten wurde viel Unheil angerichtet. Stellenweise ging auch Hagelschlag nieder. Besonders gelitten hat das Gebiet oberhalb Eltville, z. B. Neudorf, Kiedrich, Schlangenbad und Rauenthal. Der Kleinbahnzug von Schlangenbad nach Eltville blieb unterwegs stecken, so daß ein Hilfszug abgelassen werden mußte.“

 

 

1914 Feueralarm[xl]

 

„Rauenthal, 28. März. Gestern Abend 11 Uhr wurde unsere Gemeinde durch Feuerlärm aufgeschreckt. Es brannte in einer Hofraite der Hintergasse, welche Eigentum der Darlehnskasse ist. Das Feuer griff mit großer Schnelligkeit um sich. Dank der raschen Hilfe seitens der Bürgerschaft und der Pflichtfeuerwehren von hier und Neudorf war es möglich, das Feuer auf seinen Herd zu beschränken. Wohnhaus und Nebengebäude wurden ein Raub der Flammen. Die Bewohner des Hauses, Schreinermeister E. Lehna und Winzer Karl Hirt vermöchten kaum mehr als das nackte Leben zu retten.“

 

 

1914 Kontrollversammlung[xli]

Auszüge aus dem Artikel:

 

„Bekanntmachung über die Abhaltung der Frühjahrskontrollversammlungen 1914. […] In Eltville a. Rh. (Platz westlich der Turnhalle) […]

am Mittwoch, den 1. April 1914, Nachm. 2 Uhr diejenigen Mannschaften aller Waffen, welche der Land und Seewehr I. Aufgebots angehören, und zwar die Jahresklassen 1901-1905 aus Eltville, Erbach, Kiedrich, Neudorf, Nieder- und Oberwalluf und Rauenthal;

Am Donnerstag, den 2. April 1914. Vorm. 8 ½ Uhr, sämtliche Mannschaften der Reserve und zwar die Jahresklassen 1906-1913 aus Kiedrich, Neudorf, Nieder- und Oberwalluf und Rauenthal […] Willkürliches Erscheinen zu einer anderen als der im befohlenen Kontrollversammlung wird bestraft. […] wer bei der Kontrollversammlung fehlt, wird mit Arrest bestraft. […] Wiesbaden, 25. Februar 1914 Königliches Bezirkskommando. Gez. Rott, Oberst g. D. und Bezirkskommandeur.

 

 

1916 am 30. Mai: Besuch des Königs[xlii]

 

„Rauenthal. Der König Wilhelm II. von Württemberg traf am Donnerstagnachmittag mit Gefolge in unserem Orte ein. Nach einem zweistündigen Aufenthalt im „Gasthaus zur schönen Aussicht“
(Reuter) verließ der König wohlbefriedigt über das hier Gebotene und ebenso über die herrliche Lage Rauenthals, wieder unseren gastlichen Ort.“

 

 

 

1917 Die Moritat von Rauenthal[xliii]

 

„Vor kurzem konnte man ein einigen Blättern über eine grausige Mordtat die folgende Drahtmeldung lesen: Rauenthal, 14. Jan. Weil sein Schwein nicht zunehmen wollte, schoß ein hiesiger Schuhmacher dasselbe tot. Es wog 60 Pfund. Ein Leser hat diese sehr unzeitgemäße Schreckenstat tiefinnerst bewegt und ihn zu der folgenden Ballade begeistert, die in der „Frankf. Ztg.“ veröffentlicht wird:

 

O, Rauenthal, o Rauenthal,

Du hast viel gute Reben,

berühmt war stets dein edler Wein,

Warum nur kam ein braves Schwein

So schlimm alldort ums Leben?

 

 

Ein Schustersmann, ein Schustersmann

Tät sich ein Ferkel wählen,

Und lächelnd strich er ihm den Wanst:

„Nun friß nur, was du fressen kannst

Es soll an nichts dir fehlen!“

 

Zwölf Wochen hat er sich geplagt

Mit Füttern und mit Mästen,

Dann hatte er mit Schmerz entdeckt,

Das Schweinchen hatte ihn geneckt,

Und hielt ihn nur zum Besten.

 

Da wurd‘ er plötzlich teufelswild

Und griff nach der Pistole:

„Du nahmst nicht zu, ich werde bös,

Dein Leib wird nimmer korpulös,

Daß dich der Kuckuck hole!“

 

Die Salve klang, die Seele floh

Im Pulverdampf von dannen

Der Schuster warf die Waffe weg:

„Ach, unsereins hat immer Pech!“

Und trank sich ein paar Kannen.“

 

 

1917 Wildschweinplage[xliv]

 

„Aus der Provinz, Rauenthal, 11. Mai. Tagtäglich ergeht der mahnende Ruf an die Landwirte: bestellt die Felder! Diese Mahnung verhallt nicht wirkungslos in den Reihen unserer Frauenwelt und bei den Jugendlichen. Die Männer stehen draußen im Schützengraben oder in der Etappe und schauen mit Bewunderung, wie die zuhause ihre Pflicht gegenüber dem Vaterland und ihrer Familie erfüllen.

Es wird in der Heimat von den Frauen und Kindern „Großes“ in der Landwirtschaft geleistet. Deshalb ist es aber auch bedauerlich, wenn viele Arbeit nutzlos gemacht wird – und dies ist dort der Fall, wo die Wildschweine die Kartoffeläcker und Saaten zerstören, wie neuerdings auch in unserer Gemarkung.

 

Der frühere Jagdpächter, aus Eltville, hielt durch Abschießen des Wildes unsere Felder ziemlich rein; wenn ein Wildschaden konstatiert wurde, so erfolgte alsbald die Regulierung desselben durch den Jagdpächter. Aber jetzt? Jetzt genießt das Wild und auch die Wildschweine Schonung; so kam es, dass wir im Sommer 1916 einen Wildschaden auf unseren Äckern in der Höhe von zirka 6000 Mark feststellen mussten.

 

Mit großer Mühe hatten die Kriegerfrauen die Waldäcker bestellt, und dann kamen die Schweine und ernteten. Der Schaden wurde angemeldet und abtaxiert – aber eine Entschädigung bis heute nicht geleistet. Dieses Unrecht schreit zum Himmel und fordert die Behörden zum Eingreifen auf! Wir verlangen das Abschießen des Wildes. Wenn der Jagdpächter diesem Verlangen nicht nachkommen kann, so müssen Polizei- oder Gemeindebürger-Jagden abgehalten werden.

 

Wir verlangen Schutz unserer Feldfrüchte in dieser bedrängten Zeit! Was nutzt uns eine nicht geleistete Entschädigung von vier Mark per Zentner Kartoffeln, wo wir jetzt 10, 12, und 14 Mark für den Zentner zahlen müssen. Abhilfe muss hier geschaffen werden.“

 

 

 

 

 

 

1914 – 1918 Erster Weltkrieg

 

Die Zeitungen in dieser Zeit enthalten zunächst die Mobilmachungsanzeigen, dann folgen die ersten Listen mit Gefallenen und Verwundeten. Manchmal wird auch von Beförderungen oder der Verleihung von Medaillen berichtet.  Die Traueranzeigen der Hinterbliebenen beinhalten oft, wann und wo Vater, Bruder oder Sohn im Krieg ihre Leben verloren.

 

 

1918 Kriegsstiftung[xlv]

 

„Rauenthal, 8. März. (Kriegs-Stiftung.) Der Rauenthaler Winzerverein hat aus Anlaß des guten Ausfalles seiner kürzlich abgehaltenen Weinversteigerung der Gemeinde Rauenthal den Betrag von 8000 Mk. überwiesen. Die Zinsen dieser Stiftung sollen in erster Linie solchen Winzervereins-Familien zu Rauenthal zu Gute kommen, die durch den Krieg in Mitleidenschaft gezogen wurden.“

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Schuljahrgang 1920/21 mit Lehrer Brantz

 

 

 

 

1921 Zur Erinnerung an die große Hitze

 

Das Bild ist unterschrieben mit „Zur Erinnerung an die große Hitze im Jahre 1921“

 

 


1931 Die Geschichte der Bubenhäuser Höhe – Teil 5

 

Im Jahr 1931 endlich ließ sich die Gemeinde Rauenthal selbst etwas einfallen. Sie errichtete zum Gedenken an die „Rheinlandbefreiung“ einen Findling aus Taunusquarzit und versah den heute dort noch stehenden Stein mit einer Bronzebüste Hindenburgs. Die Bubenhäuser Höhe erhielt nun den Namen Hindenburghöhe - er wurde jedoch 1945 wieder entnationalisiert und trägt seitdem wieder seinen alten Namen „Bubenhäuser Höhe“.

 

 

1937 NSDAP-Ortsgruppe Rauenthal & Martinsthal

 

 

 

 

 

 

 

Die Ortsgruppen wurden bereits im Februar 1924 (!) gegründet!

 

 

 


1938 Judenverfolgung in Rauenthal

 

1933 lebten in Rauenthal zwei jüdische Familien. Albert Neumann (geb. 2.1.1878 in Rauenthal) und seine Schwester Lina (geb. 9.5.1885 in Rauenthal) wohnten in der Adolf-Hitler-Straße Nr. 66, jetzt Hauptstraße Nr. 15. Albert betrieb einen kleinen Viehhandel, den er aus politischen Gründen ab 1935 nicht mehr weiterführen durfte und Lina hatte im Haus ein Textilgeschäft.

 

Die zweite Familie lebte ebenfalls in der Hauptstraße im Haus Nr. 73 (jetzt Nr. 29). Es handelte sich um Josef Neumann (geb. 16.4.1873 in Rauenthal) sein Frau Rescha, geborene Schönberger (geb. 25.6.1884 in Wiesbaden-Schierstein) und ihre Kinder Ludwig (geb. 13.4.1913) und Lore (geb. 1926). Ludwig wanderte 1934 nach Holland und später in die USA aus. Seine Mutter Rescha starb am 20.5.1939 in Eltville.

 


Am 9. November 1938 wurden beide Familien Opfer von Gewalt. Bei einem Gerichtsprozess im Jahre 1949 schilderten die beiden SA-Leute Scharmann und Edel aus Eltville, dass sie in Rauenthal gegen die Juden genauso vorgehen wollten wie zuvor in Eltville, aber bei ihrer Ankunft feststellten, dass für sie nichts mehr zu tun übrigblieb.

Am 2.8.1941 wurden in einer Umsiedlungsaktion für Rheingauer Juden Albert und Lina Neumann sowie Josef Neumann mit seiner damals 15jährigen Tochter Lore nach Friedrichssegen, einem Ortsteil von Oberlahnstein, verbracht. Von hier aus wurden sie im Sommer 1942 nach Osten deportiert und dort umgebracht. In einer Deportiertenliste mit 54 Namen (Quelle: Elmar Ries, Osterspai) sind Albert, Joseph und Lore aufgeführt. Lina dürfte ebenfalls deportiert worden sein oder ist bereits im Arbeitslager Friedrichssegen umgekommen.

 


Der Rauenthaler Bürgermeister Korn berichtete am 5.10.1945: „Soweit ich in Erfahrung bringen konnte, sollen bei der hiesigen Judenaktion ausnehmend Leute von Auswärts beteiligt gewesen sein. Im Jahre 1938 soll die derzeit hier wohnende Jüdin Lina Neumann mißhandelt worden sein, was ebenfalls von auswärts wohnenden Personen ausgeführt wurde. Im Weiteren bin ich in dieser Angelegenheit nicht unterrichtet.“

 


Am 23. Oktober 2020 wurden in Rauenthal vor den Häusern der beiden Familien Neumann Stolpersteine verlegt im Andenken der ermordeten Rauenthaler Mitbürger jüdischen Glaubens.

 

 

Klassenfoto mit Lore Neumann

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

1945 Abholung der Glocken

 

 

1945 Die Gummisack-Affäre[xlvi]

 

Französische Soldaten kamen mit einem Lastwagen im November 1950 zum Rauenthaler Friedhof. In einer Nacht- und Nebelaktion schaufelten sie das Grab des französischen Bürgers Jean Baptiste Boutry auf, exhumierten die sterblichen Überreste und verschwanden wieder.

 

Monsieur Boutry war 1945 bei dem Bombenangriff auf das Kloster Tiefenthal umgekommen und sollte nun in heimatlicher Erde beigesetzt werden. Doch dazu sollte es nicht kommen. Am 20. Dezember 1950 wiederholte sich das Geschehen, doch dabei wurden die sterblichen Überreste verstaut in einem Gummisack an gleicher Stelle wieder verscharrt.

 

Der Rauenthaler Pfarrer Scheuermann beschwerte sich bei den Militärbehörden über dieses pietätlose Verhalten und erfuhr, dass Monsieur Boutry posthum als deutscher Kollaborateur behandelt wurde und die Heimatbehörde ihm ein Grab in französischer Erde verweigere. Scheuermann erinnerte sich nun, dass er Boutry damals die Sterbesakramente spendete und die SS-Lagerleitung ein christliches Begräbnis bestellte.

 

Im Kloster Tiefenthal befand sich während des Krieges eine SS-Kampfschule oder Spionageeinheit, der Jean-Baptist Boutry als SS-Legionär angehörte. Am 26. Januar 1951 wurden die sterblichen Überreste nun zum zweiten Mal beigesetzt, diesmal in einem richtigen Sarg.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Entwicklung des Dorfes

 


Der ursprüngliche Kern von Rauenthal dürfte sich rings um die Kirche befunden haben. Hier eine Zeichnung aus dem Jahr 1803

 


Der Katasterplan von 1874 zeigt noch eine geschlossene, langovale, straßendorfartige Struktur mit dichtgedrängten, schmalen Parzellen an der Westseite, durchgängigem Bebauungsrand und vorgelagerter Gartenzone. Von dort dehnte sich die Siedlung zunächst nach Norden, Süden und Osten aus, die Ortsmitte verschob sich zum Kirchplatz mit dem Rathaus. Die alte Bezeichnung Portengasse für den nördlichen Teil der Hauptstraße, die heutige Jahnstraße, geht auf die Klinger Pforte im Rheingauer Gebück zurück. Die Bebauung im Nordosten endete am Friedhofsweg bzw. an der Neugasse.

 

 

 

Östlich war die Gartenstraße die Grenze und einige Häuser standen an der Martinsthaler Straße. Im Nordwesten endete die Bebauung am heutigen Parkplatz der Winzerhalle. Im Süden war der Anfang der Reitschulgasse bebaut und die Obergasse etwa bis zur Einmündung der Kiedricher Straße. Westlich war Rauenthal nur entlang der Hauptstraße besiedelt.

 

In den letzten 150 Jahren kamen zahlreich neue Baugebiete hinzu.

 

Reitschulgasse und Weinbergstraße weiteten sich nach Süden aus, dazu kam die Bebauung der Kloderwand im Westen und der Lehmkaut im Osten, sowie an der Alten Chaussee. Im Nordwesten kamen Gebäude in der Taunusstraße und der Flur „Vor dem Kaltenborn“ hinzu. Nach Norden hin erweiterte sich die Jahnstraße bis an die Große Straße Richtung Sportplatz. Die Abt-Molitor-Straße westlich der Jahnstraße ist das bisher letzte Baugebiet.

 

 

Entwicklung der Einwohnerzahlen[xlvii]

 

Die älteste Angabe über die Anzahl der Einwohnerschaft lässt nur eine grobe Schätzung zu. Bei der sogenannten Brandschatzung, einer Strafzahlung wegen des Bauernaufstandes, musste der Rheingau 15.000 Gulden bezahlen. Diese Summe wurde umgelegt auf die vorhandenen Herdstellen in jedem Dorf. Jede dieser Herdstellen wurde mit 7 Gulden belastet. Rauenthal zählte damals 131 Herdstellen. Wie viele Menschen sich um eine solche Herdstelle versammelten, lässt sich nur schwer schätzen. Sicher ist von Großfamilien, also drei Generationen auszugehen; vielleicht zählten auch noch weitere Familien dazu. Selbst bei einer vorsichtigen Schätzung mit durchschnittlich nur 5 Personen pro Herdstellen, kommt man auf 655 Einwohner.

 

Für die folgenden Jahrhunderte gibt es nur sogenannte Schatzungslisten, also Aufzählungen der steuerpflichtigen Haushalte. Verzeichnet sind hier ausschließlich die männlichen Hauseigentümer. Die erste Angabe liegt für das Jahr 1660 mit 80 Hauseigentümern vor. Diese Zahl steigt bis zum Jahr 1770 auf 181 an und im Jahr 1774 werden erstmals auch Frauen und Kinder aufgeführt. Die Spaltenüberschriften lauten: Name, Weiber, Söhn und Töchter. In der ersten Spalte stehen die Namen der Männer sowie der Witwen. Letztere werden jedoch nicht mit eigenem Namen genannt, sondern lediglich   mit dem Zusatz Wittib oder vid. (Witwe),; insgesamt 91. In der Spalte Weiber steht schlicht eine 1 oder bei ledigen Männern eben nichts, Summe 73. Söhne gibt es 96 und Töchter 97, wodurch eine Einwohnerzahl von 357 erreicht wird.

 

Die nun folgenden Jahre führen in zahlreichen Listen nur die Bürger auf. Dabei werden wiederum nur diejenigen Männer genannt, die Bürgerrechte haben. Um Bürger werden zu können, ist es entweder notwendig über ein ausreichendes Vermögen oder ein geregeltes Einkommen zu verfügen. Bei Bürgeraufnahmen werden somit nur die zugelassen, die diesen Anforderungen genügen.

 

Die Bürgerlisten zählen im 19. Jahrhundert zwischen 100 und 183 Bürger namentlich auf, doch gibt es ab 1818 endlich auch Einwohnerlisten, wobei manchmal zwischen den Konfessionen unterschieden wird und Juden (z. B. 1904 15 und 1927 7 Juden) immer separat aufgeführt werden. Im Jahr 1818 sind es 728 Einwohner. Die Zahl, steigt bis 1854 auf 1015 an und dann sinkt dann im Anschluss wiederleicht. In dieser Zeit wandern einige Rauenthaler Familien entweder nach Amerika oder nach Australien aus. Die Einwohnerzahl pendelt in den nächsten Jahren immer um die 1.000 Personen.

 

Ein entscheidender Anstieg erfolgt mit der Aufnahme von Flüchtlingen in den Jahren nach dem Zweiten Weltkrieg (s. nächstes Kapitel). Von 1954 bis 1963 wächst die Einwohnerzahl allmählich von 1378 auf 1548 und im Jahr 2015 sind es 1724.

 

 

1945 Das Kloster Tiefenthal

 

wird am 12. Februar des Jahre 1945 (Fastnachtsdienstag!) bei einem Fliegerangriff zerstört. Der Luftdruck der Explosion war so stark, dass in Rauenthal viele Fenster zerstört und auch einige Dächer eingedrückt wurden. Das Kloster – das glücklicherweise ein paar Monate zuvor von den Nonnen aufgegeben werden musste – brannte vollständig aus.

 

 

1945 Aufnahme von Flüchtlingen[xlviii]

(später „Heimatvertriebene“ oder „Neubürger“)

 

Anfang 1946 hatte Rauenthal 980 Einwohner und nahm zunächst 61 sogenannte Bombenflüchtlinge auf. Gleichzeitig begannen auch die Transporte der Heimatvertriebenen aus der Tschechoslowakei und Ungarn, von denen ca. 15.000 Personen dem Rheingau zugeteilt wurden. Der damalige Landrat Dr. Peter Paul Nahm schrieb am 15.2. 1945 an die Bürgermeister, dass täglich mit dem Eintreffen des ersten Flüchtlingstransportes zu rechnen und dafür zu sorgen sei, dass Zimmer, Schlafstellen und Kochgelegenheiten zur Verfügung stünden. „Die Ankommenden dürfen nicht als vorübergehend Einquartierte oder Fremdkörper behandelt werden, sondern sind Gemeindegenossen, die so schnell wie möglich eigene Zimmer und Kochgelegenheit haben sollen.“ Bereits am 1.3.1946 traf der erste Zug mit 443 Personen in Eltville ein, wovon 5 Personen nach Rauenthal kamen. Der letzte Zug erreichte Eltville am 5.11.1946. Insgesamt trafen 18 Züge mit jeweils zwischen 4 bis 500 Personen im Rheingau ein. Ende 1946 betrug die Gesamteinwohnerzahl Rauenthals 1285 Personen, wovon 309 „Neubürger“ waren. Es war genau festgelegt, welche namentlich benannten Personen und Familien, bei welchen Rauenthaler Familien untergebracht wurden.

 

 

1947 Kirchweihfest – Der Kerbe-Franz

 

Im August, am Sonntag nach Mariä Himmelfahrt, feierte Rauenthal wieder seine Kerb. Im Laufe eines Jahres veranstalten die Rauenthaler und ihre Vereine mehrere Feste; der Sportverein, die Freiwillige Feuerwehr, die Kinder-Kultur-Tage, die Fastnachtsitzungen des Karnevalvereins „Reschhinkel“, die große Bubenhäuser Pfingstweinrunde, um nur einige zu nennen.

Eines der schönsten und weitaus ältesten Feste von Rauenthalern für Rauenthaler ist das alljährliche Kirchweih- und Weinfest, die Rauenthaler Kerb.

 

An dieser Stelle soll eines Mannes gedacht werden, der dieses Fest nach dem zweiten Weltkrieg wieder ins Leben rief und sich viele Jahre lang aufopferungs- und liebevoll um diese Veranstaltung kümmerte: Franz Klein, von den Rauenthalern „Kerbe-Franz“ genannt. Er wirkte in vielen Vereinen als Mitglied oder in der Vorstandsarbeit mit; unter anderem im Karnevalsverein, im Männergesangverein Frohsinn und im Sportverein.

 

Diese Vereine organisierten abwechselnd die Kerb und Franz Klein war immer dabei. Ob es um den Aufbau des Platzes ging oder die Eröffnungsrede gehalten werden musste, er war immer zur Stelle. Aber auch für Reinigungsarbeiten war er sich nicht zu schade. Natürlich kann kein Mensch die anfallenden Arbeiten allein bewerkstelligen, aber er hatte das Geschick zu organisieren, zu motivieren und damit immer eine ausreichende Anzahl an Helferinnen und Helfern zu mobilisieren.

 

In Anerkennung für seinen unermüdlichen Einsatz in den Rauenthaler Vereinen und bei den Festen wurde ihm der Ehrenbrief des Landes Hessen überreicht. Seine ehemaligen Helfer veranstalteten für ihn ein großes Fest. Die musikalische Umrahmung übernahm dabei die Musikgruppe Sonoras, die auch viele Jahre bei der Rauenthaler Kerb spielte und die er so gerne hörte.

 

Franz „Kerbefranz“ Klein (Mitte)

 

Franz Klein starb nach langer, schwerer Krankheit im Jahr 2009 und wurde auf dem neuen Friedhof in Rauenthal beigesetzt.

 

 

 

 

 

Verzeichnis der Gewerbebetriebe von 1956


1959 Ein „Traumschloß“ für die Kinder

 

Am 22. November 1959 wird der neue Kindergarten in Rauenthal eingeweiht. Ein „Traumschloß“ für die Kinder titelte damals der Rheingauer Bürgerfreund.

 

Pfarrer Scheuermann segnete das neue Haus, dessen Grundsteinlegung ein Jahr zuvor erfolgt war. Der Bau habe die Kirchengemeinde große Opfer gekostet erklärte Pfarrer Scheuermann, er selbst habe dafür drei Weinberge verkauft.

 


Bürgermeister Klein wies darauf hin, dass der neue Kindergarten durch Gemeinsinn entstanden sei und dem Gemeinwohl dienen werde. Landrat Bausinger überbrachte Glückwünsche des Rheingaukreises. Sr. Raingardis von den Armen Dienstmägden Jesu Christi (ADJC) in Kloster Tiefenthal leitete den Kindergarten St. Michael von 1953 – 1990. Sie starb im Jahre 2006 und wurde auf dem Friedhof des Mutterhauses in Dernbach beigesetzt.

 

1959 Rauenthal sammelt für die Restaurierung des Glockenstuhls

 


 

1960 Gedicht von Hans Erich Giebel, Osterode am Harz, 03.07.1960

 

Kehr man als Gast „Zur Krone“ ein

Und trinkt von heinrich Schuth den Wein,

ist man begeistert von der Labe.

Sein Wein ist wahre Gottesgabe.

 

Ich kenne manchen edlen Wein,

ob Saar, ob Pfalz, ob Mosel, Rhein.

Ich hab getroffen meine Wahl:

Der beste wächst in Rauenthal!

 

 

Familienfoto der Fam. Schuth vom Gasthaus „Zur Krone“

 

 

 

 

 


 

 


1963 Rauenthaler feiern fröhlich Schuleinweihung

Die alte Schule in Rauenthal sei hundert Jahre alt und genüge den Ansprüchen nicht mehr, sagte der damalige Bürgermeister Klein. Die neue Schule solle ein Hort des Segens für kommende Generationen sein.

 

Der Neubau der Rauenthaler Schule wird groß gefeiert. Bürgermeister Klein übergab bei der Einweihung den Schlüssel an Hauptlehrer Höhler. Nur derjenige, der 30 Jahre in der alten Schulte wirken musste, könne ermessen, unter welchen Umständen dort unterrichtet werden musste. Die Kinder freuten sich auf den Unterricht in den neuen Räumen.

 

 


1963 Richtfest des Jugendheimes

 

 

 

1964 Schließung der Schule

aus der Rauenthaler Schul-Chronik

 

Zehn Tage nach Schulbeginn wurde die Schule nach § 46 BSG, Schulseuchenerlaß vom 28.9.1964 wegen Salmonellen geschlossen. Etwa 34 Erwachsene und 16 Kinder wurden im Kreisjugendheim in Assmannshausen isoliert, bis man die Herkunft des Krankheitserregers festgestellt hatte. Je eine Metzgerei in Rauenthal und Martinsthal wurden vorübergehend geschlossen und die vorhandenen Fleisch- und Wurstwaren vernichtet. Nach der Desinfektion der Klassenräume konnte am 25.9. der Unterricht wieder aufgenommen werden. Wegen dieser unfreiwilligen Ferien entfielen in diesem Jahr die Weinleseferien.

 

 

1967 Rauenthal: Einwohnerzahlen von 1834 – 1967

 

Datenquelle: Hessisches Statistisches Landesamt, 1968

 

 

 

1968 Die Rauenthaler Salmonellen-Epidemie

aus den Aufzeichnungen zur Rauenthaler Chronik von Hans Wagner

 

„Während und kurz nach dem Ende des Rauenthaler Kirchweih– und Weinfestes 1968, das damals noch an zwei Wochenenden - der Vor– und der Nachkerb - gefeiert wurde, häuften sich plötzlich in der Rauenthaler Bevölkerung gesundheitliche Beschwerden mit Bauchschmerzen und Durchfall, die sehr schnell als Salmonelleninfektion diagnostiziert wurden.


Die ersten Fälle kamen nach Bad Schwalbach in das dortige Krankenhaus. Innerhalb weniger Tage explodierten die Erkrankungsfälle geradezu zu einer Epidemie, um die sich nun auch die Gesundheitsbehörden kümmerten. Als Auslöser dieser Erkrankungsfälle kam nach der in Rauenthal umlaufenden Meinung, die auf dem Rauenthaler Kerbeplatz verzehrte, von dem hiesigen Metzger und Komiteemitglied des Rauenthaler Kerbevereins, Matthias Urmersbach, verkaufte Bratwurst infrage. Die Gesundheitsbehörden, Gewerbeaufsicht und Polizei kontrollierten daraufhin die Rauenthaler Lebensmittelbetriebe und Gaststätten, die als Überträger der Krankheit eventuell ebenfalls hätten in Frage kommen können. In den Kühl- und Tiefkühlräumen des ENGEL befanden sich zwei erlegte Wildschweine sowie ca. 25 kg Hausmacher Wurst; beides wurde vor der behördlichen Kontrolle durch Vergraben entsorgt.

 

Die tiefgefrorene Bratwurst nahm sich ein Freund des Hauses, seines Zeichens Oberstudienrat aus Schlangenbad, zum eigenen Verzehr mit nach Hause, nachdem er zuvor seinen Hausarzt Dr. Fromme telefonisch konsultiert hatte und von diesem die beruhigende Auskunft erhielt, das es ca. 163 verschiedene Arten von Salmonellen geben würde und der in Rauenthal grassierende Erreger wahrscheinlich der Spezies „Schneegestöber“ zuzuordnen sei, eine relativ harmlosen Art, deren Erreger durch die Hitze beim Backen oder Kochen abgetötet würden. Mein Freund starb später, jedoch nicht an den Salmonellen, sondern an den Folgen eines Verkehrsunfalles.

 

Dock kehren wir zurück zu den aktuellen Geschehnissen. Die nun geradezu explosionsartig um sich greifenden Erkrankungsfälle lösten zunächst eine totale Ratlosigkeit und Verwirrung bei den zuständigen Behörden aus, denn man hatte seit der großen
Pestepidemie 1666/67 etwas Ähnliches im Rheingau nicht mehr erlebt. Durch die lokale Presse und durch schriftliche Hausmitteilungen wurde die Bevölkerung aufgefordert, auf dem Rathaus Stuhlproben abzuliefern.

 

Die meisten Proben waren positiv und zwei Tage später wurden die Infizierten aufgefordert, sich mit leichtem Reisegepäck zur bestimmten Uhrzeit am Rathaus einzufinden. Dort wurden sie von Astronauten ähnlichen Männern in weißen Schutzanzügen mit Sturmhauben und Handschuhen in Empfang genommen und mit bereitstehenden Kleinbussen zur Jugendherberge Aßmannshausen gebracht und in strengste Quarantäne genommen.

 

Polizeiautos mit Lautsprecher und fuhren durch die Rauenthaler Straßen, sie gaben der Bevölkerung Verhaltenshinweise und forderten alle auswärtigen Gäste und Besucher auf, das Dorf umgehend zu verlassen.

 

In alle öffentlichen Gullys und Kanalschächte wurde Kalk gestreut. Die Rauenthaler Schule wurde geschlossen und die hiesigen Schüler der auswärtigen Schulen durften den Unterricht nicht besuchen.

Inzwischen waren alle abgelieferten Stuhlproben positiv und auch der innerfamiliäre Austausch gegen amtlich bestätigte negative Proben war inzwischen nutzlos: alles, was abgeliefert wurde, war positiv.

 

Inzwischen hatte sich in der Quarantäne in Aßmannshausen ein munteres, gesellschaftliches Leben entwickelt. Die in der Heimat Zurückgebliebenen fuhren mit Autokolonnen zu Besuch nach Aßmannshausen und über die familiären Bindungen hinaus entstand eine echte Volksgemeinschaft. Körbe und Kisten mit Wein, Nahrungs- und Genussmitteln sowie Spielsachen für die Kinder wurden vor dem großen Gittertor abgestellt, da jeder körperliche Kontakt mit den Eingesperrten strengstens verboten war. Die Unterhaltung fand in gebührendem Abstand durch das Gitter statt und nach dem Ende des Besuchs wurden die milden Gaben eingesammelt und verteilt.

 

In kurzer Zeit war die Belegungskapazität der Jugendherberge erreicht und es drohte eine Überbelegung. Schlagartig war damit das Interesse der Gesundheitsbehörden an weiteren Rauenthaler Stuhlproben erloschen und der Nachschub für Aßmannshausen blieb aus. Wenige Tage später kehrten die Vertriebenen sang und klanglos, aber glücklich in den Schoß ihrer Familien zurück, mit der Auflage, alle persönlichen Dinge und Kleidungsstücke zu desinfizieren.

 

 

In Memoriam

 

 Allen beteiligten Behörden, Ämtern und Dienststellen, die sich in aufopferungsvoller, unbürokratischer Hingabe mit diesem schrecklichen Ereignis beschäftigten - sei es in Uniform an den Einsatzorten oder in Zivil an den zahllosen Schreibtischen der Amtsstuben - sei heute noch einmal gedankt für ihren großartigen, selbstlosen Einsatz, mit dem sie damals eine gesundheitliche Katastrophe in Rauenthal mit knapper Not verhinderten.

 

Der stets reibungslose Transport der Stuhlproben zu den Untersuchungslabors und deren Spender in die Quarantänestation Aßmannshausen war eine logistische Meisterleistung und gab ein anschauliches Bild von dem hohen Ausbildungsstand und der Einsatzfreudigkeit aller damit befassten Beamten Angestellten.

 

Es erfüllt uns heute noch alle mit Freude und Dankbarkeit, dass wir über einen so vorbildlich und schnell arbeitenden öffentlichen Dienst verfügen durften, um den uns die ganze Welt noch heute beneidet.

 

Gott beschütze ihn!“

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 


1968 Pfarrer Franz Knothe kommt nach Rauenthal


Pfarrer i.R. Franz Alois Knothe wurde am 23. Februar 1932 in Ober-Ebersdorf geboren. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde die Familie vertrieben und fand in Rostock-Warnemünde eine neue Heimat. Knothe lernte an mehrere Missionsschulen und legte sein Abitur in Würzburg ab. Theologie und Philosophie studierte er in Königstein und München. Am 7. Dezember 1958 empfing Knothe durch Bischof Dr. Wilhelm Kempf die Priesterweihe im Hohen Dom zu Limburg.

 

Nach Kaplanstellen in Rennerod, Frankfurt-Unterliederbach und Niedernhausen wurde er im Oktober 1968 Pfarrer in Rauenthal. Er betrachtet es als seine Aufgabe, für alle da zu sein: für die Jugend, die Alten und Kranken. Er selbst sah sich als „Don Camillo“, der das Ohr an der Seele des Volkes hat und wollte auch so verstanden sein, heißt es über ihn der Festschrift zum 500-jährigen Jubiläum der Pfarrgemeinde im Jahre 1992. Sein Steckenpferd war die Fotografie.

 

Im Oktober 1982 übernahm er die Pfarrei in Rüdesheim-Assmannshausen. Zudem übernahm er vielfältige Aufgaben im Bereich der Altenseelsorge in Frankfurt-Hausen und Frankfurt-Rödelheim. Zugleich war er Hausgeistlicher für die Ordensschwestern im Altenzentrum Frankfurt-Hausen und - von 1982 bis 1990 - Schifferseelsorger für die Binnenschiffer auf dem Rhein und Vizegeneralpräses des Schifferverbandes St. Nikolaus.

 

Zum 31. März 1996 trat Pfarrer Knothe in den Ruhestand ein und zog nach Fulda. Im Dezember 2009 feierte er - inzwischen wieder im Bistum Limburg lebend - sein Goldenes Priesterjubiläum. Auf eigenen Wunsch verbrachte er die letzten Jahre seines Lebens im Ignatius-Löschert-Haus der Barmherzigen Brüder in Horbach.

 

Pfarrer Franz Alois Knothe verstarb am 25. August im Alter von 84 Jahren und wurde am 2. September 2016 auf dem neuen Friedhof in Rauenthal beigesetzt.

 

 

1971 Zusammenlegung der Weinbergslagen

 

 

 

 

1977 Rauenthal wird zum Eltviller Stadtteil

 

In der Zeit zwischen 1970 und 1977 wurde in Hessen die kommunale Gebietsreform mit dem Ziel durchgeführt, mittels größerer Verwaltungseinheiten leistungsfähigere Gemeinden und Landkreise zu schaffen.


So wurde am 01. Januar 1977 der bisherige Rheingaukreis mit Kreissitz in Rüdesheim und der Untertaunuskreis mit Sitz in Bad Schwalbach zum Rheingau-Taunus-Kreis vereinigt. Im Rheingau wurden 19 Dörfer insgesamt sieben Städten und Gemeinden zugeordnet. In Eltville wurden schon am 1. Juli 1972 die zuvor selbstständige Gemeinde Hattenheim auf freiwilliger Basis sowie am 1. Januar 1977 die ebenso eigenständigen Gemeinden Erbach, Martinsthal und Rauenthal kraft Landesgesetz als Stadtteile in die Stadt Eltville eingegliedert.

 

Für die Kernstadt als auch für die Stadtteile wurden Ortsbezirke mit Ortsbeirat und Ortsvorsteher gebildet. Erster Ortsvorsteher des Stadtteiles Rauenthal war Harald Jahn, erster Stadtrat Karl Kiefer: sie folgten damit auf Anton Klein, der von November 1956 bis Ende 1976 als Bürgermeister der selbstständigen Gemeinde Rauenthal amtiert hatte.

 

 

 

 

 

1981 Wieder „Zuhause“

aus dem Wiesbadener Kurier, vom 20.02.1981

 


Wieder „Zuhause“ – die Nepomukstatue in Rauenthal. Der Brückenheilige und Patron des Beichtgeheimnisses steht nach langer Abwesenheit wieder an der Ecke Friedhofsweg/Hauptstraße, wo sich einst ein Löschteich befand. Die Statue war von einem Baufahrzeug ramponiert worden. Ein Bildhauer setzte sie wieder instand. Viele Rauenthaler hatten die Karambolage nicht bemerkt und wunderten sich, als ihr „Bumbezin“ verschwand.

1988 Ehrung für den „Kerwe-Franz“

Auszug dem Wiesbadener Kurier, vom 22.08.1988

 

„…eine solche Festeröffnung könnte noch viel schöner sein, nämlich dann, wenn sie von einer Weinkönigin durchgeführt werde. In Rauenthal gibt es seit mehr als zehn Jahren keine Majestät mehr, so dass jetzt bereits erwogen wird, im nächsten Jahr vielleicht auf einen „Bacchus“ zurückzugreifen.

 

Wenn es auch keine Weinkönigin gibt, so kann man in Rauenthal doch auf viele engagierte Helfer zählen, die sich um die Vorbereitung des Festes kümmern. Seit 40 Jahren ist einer von ihnen besonders aktiv und trägt deshalb den Spitznamen „Kerbe-Franz“. Der 66jährige Franz Klein wurde für seine Aktivitäten mit einem Weinpräsent geehrt und erhielt von den Festgästen viel Applaus. In seiner Dankesrede betonte Klein, dass die Organisation eines solchen Festes, der Auf- und Abbau zwar viel Arbeit erfordere, dass es ihm aber immer viel Spaß gemacht habe. „Auch wenn es hier immer weniger wird, wenn wir keine Weinkönigin und keinen Fanfarenzug mehr haben, unsere Kerb soll erhalten bleiben“, so Franz Klein, den Heinz Jürgen Müller als „Motor des Festes“ bezeichnet.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

1989 Die 40. Kerb und Rauenthaler Fahne

Auszug dem Wiesbadener Kurier, vom 21.08.1989

 


Das Kirchweih- und Weinfest in der kleinen Rheingauer Gemeinde hat im Übrigen in diesem Jahr ein kleines Jubiläum: zum vierzigsten Mal wird es unter den historischen Linden begangen. Aus diesem Grund hat die Kerbegesellschaft eine Fahne gestiftet, die vor dem Rathaus aufgezogen wurde. Auf ihr ist das Emblem der ehemaligen selbständigen Gemeinde Rauenthal zu sehen, mit dem Mainzer Rad und dem Glockenstab des heiligen Antonius.

 

 

 

1989 „Erneuerung“ des Eselspfads

aus dem Wiesbadener Kurier, vom 25.02.1989

 

Der „Eselspfad“ – ein Waldlehrpfad vor allem für die Rauenthaler Grundschüler – ist neu hergerichtet worden. Die Kinder, Förster Klaus Peter Steiner und Vertreter der Stadt (Foto) nahmen gestern den neuen Weg in Augenschein: er ist nicht mehr matschig, die Täfelchen mit den Beschreibungen und die Pfosten sind neu.

Auf dem Eselspfad wurden früher die vornehmen Kurgäste aus Schlangenbad zur Bubenhäuser Höhe geritten. Von dort genossen sie den Blick auf Johannisberg, den Donnersberg und auf den


Melibokus.

 

 

 

 

1992 Der 500. Geburtstag des Gotteshauses

aus dem Wiesbadener Kurier, vom 17.08.1992

 

„Über Jahrzehnte hinweg hat das Rauenthaler Kirchweih- und Weinfest schon seinen ursprünglichen Charakter erhalten“, lobte der Eltviller Bürgermeister Bernd Knauf in seiner Eröffnungsrede das größte Fest des Weindorfes. Gerade die volkstümliche Atmosphäre sei es, die viele Gäste aus nah und fern anlocke. Seit 1948 organisieren die vier Ortsvereine – Turn- und Sportverein, Sportverein, Karnevalsverein und der Gesangverein „Frohsinn“ – den dreitägigen Festreigen. Schon im Februar beginnen die Vorbereitungen dafür: da werden erste Gespräche bezüglich des Weineinkaufes geführt, es wird beraten, welche Tanzkapellen spielen sollen, und nicht zuletzt macht man sich Gedanken über den organisatorischen Ablauf des Festprogramms. Eine nicht so lange Anlaufzeit benötigen dann die Aufbauarbeiten. Drei Wochen vor Beginn der Kerb werden auf dem traditionellen Festplatz „Unter den Linden“ der Tanzboden, Tische und Bänke und die Wein- und Verkaufsstände aufgebaut.

„Ohne die freiwilligen Helfer der Ortsvereine wäre diese Arbeit nicht so reibungslos über die Bühne gegangen“, wie Heinz-Jürgen Müller, Sprecher der Kerbegesellschaft und Mitorganisator, betonte.

Die eigentliche „Hauptperson“ des Rauenthaler Kirchweih-Festes spinnt ihre Fäden allerdings aus dem Hintergrund: Franz Klein, den Rauenthalern besser bekannt unter dem Namen „Kerbe-Franz“. „Er ist es, der hier die Akzente setzt und gesetzt hat“, lobt Müller den inzwischen 70jährigen „Aktivisten“.

 

Die temperamentvoll gespielten Melodien des Rauenthaler Fanfarenzuges, Gesangskostproben aus dem Repertoire des Gesangvereins „Frohsinn“ sowie die lockeren Tanzvorführungen der sechs bis zehnjährigen Mädchen vom Turn- und Sportverein bildeten das Rahmenprogramm der Eröffnungsfeier.

 

Trotz der abendlich kühlen Witterung ließen sich die feierfreudigen Festbesucher nicht davon abbringen, z den unterhaltsamen Klängen der „Amigos“ aus Obergladbach einen Tanz aufs Parkett zu legen. Einen zusätzlichen Anlass zum Feiern, bot der diesjährige runde 500. Geburtstag der Rauenthaler St.-Antonius-Pfarrkirche. Anschließend spielte das Mandolinenorchester Wiesbaden-Sonnenberg zum Frühschoppen.

 

1993 Haftung verweigert – Rauenthaler Karussellstreit ein

Missverständnis, aus dem Wiesbadener Kurier, vom 26.08.1993

 

Auf einem Missverständnis und fehlerhaften Informationen beruht offensichtlich die beim Rauenthaler Kirchweih- und Weinfest geäußerte Mitteilung vom Veranstaltungssprecher, ein Rummelplatz auf dem Schulhof sei am Veto der Grundschule und dem Schulamt in Bad Schwalbach gescheitert. Sowohl das Schulamt des Rheingau-Taunus-Kreises als auch die Schulelternbeiratsvorsitzende der Rauenthaler Schule, Andrea Iflinger, erklärten dagegen übereinstimmend, dass die Genehmigung zum Aufstellen eines Karussells auf dem Schulhof am 21. Juli, also einen Monat vor dem Rauenthaler Fest, erteilt worden sei. Deshalb habe die Eltviller Schaustellerfamilie Heil mit ihrem Karussell, wie in früheren Zeiten schon Tradition, nach Rauenthal kommen können. 

 

Dass es dazu nicht gekommen ist, hat nach der Schilderung von Andrea Iflinger eine einzige Ursache:  Die Festveranstalter seien nicht bereit gewesen, eine Zusage dafür abzugeben, für Schaden zu haften, die am Schulgebäude oder Einrichtungsgegenständen der Schule währen des Festes nachweislich entstehen sollten. Diese Auflage sei zusammen mit einer weiteren gemacht worden: Die Schaustellerfamilie sollte spezielle Rohre mit verschraubbaren Deckeln in den Schulhof einlassen, um für die Befestigungsanker des Karussells nicht jedes Jahr neue Löcher in den Boden bohren zu müssen. Diese Auflage hätten die Karussellbesitzer zu erfüllen zugesagt.

 

Dass es zu der relativ ungewöhnlichen Auflage an die vier die Kerb ausrichtenden Vereine gekommen ist - üblicherweise sind Festveranstalter wegen derartiger Schäden ohnehin versichert - erklärt sich Andrea Iflinger so: Vor einem Jahr war der Schulhof für das Karussell nicht freigegeben worden, weil ein entsprechender Antrag nicht rechtzeitig gestellt worden sei. Daraufhin hätten Rowdies dem Schulhof derart übel mitgespielt, dass am Kerbemontag die Schulkinder nicht nach draußen hätten gehen können. 

 

 

1995 „Karussell ist wieder da“

aus dem Wiesbadener Kurier, vom 21.08.1995

 


„Wer zum Rauenthaler Weinfest kommt, der sucht bewusst etwas anderes als in Wiesbaden oder in Rüdesheim“ erklärt Helmut Gerstadt vom gastgebenden Kerbeverein Rauenthal. Denn beim Rauenthaler Wein und Kirchweihfest sitzt man gemütlich im Schatten von sieben Linden, blickt auf die Sankt Antonius Kirche und das einstige Rathaus und genießt die große Auswahl der Rauenthaler Gewächse, die hier ausgeschenkt werden. An solch gemütliche Atmosphäre erinnert man sich gern. Das ist wohl auch der Grund, warum viele Weinfreunde jedes Jahr den Weg nach Rauenthal finden, vermutet Gerstadt.

 

Traditionell beginnt das Wein- und Kirchweihfest mit einem Discoabend. Von Samstag bis Montag erklingt Tanzmusik live. In diesem Jahr sorgten die Kapellen „Sonoras“ und „Juke Box“ für die entsprechende Untermalung.

 

Die Überschaubarkeit des Rauenthaler Festplatzes ist eine seiner Stärken: die Zahl der Sitzplätze unter den historischen Linden ist ebenso begrenzt wie die Parkplätze. Dafür bleibt das sonst auf Weinfesten übliche Gedränge aus, was die Stimmung hebt.


Mancher Gast benutzt die Pausen zwischen dem Probieren der Rauenthaler Weine zu einem Abstecher auf den nahegelegenen Schulhof, auf dem sich, nach Erfolgter Einigung mit der Schulbehörde, jetzt wieder ein Karussell dreht. Und wenn sich der Magen meldet, ist der nächste Stand mit kross gegrillter Hausmacher Bratwurst nicht weit.

 

„Durch ihre Hanglage gehören die Rauenthaler Weine für Kenner zu den besten im Rheingau“, versichert Gerstadt. Und da musste es nicht unbedingt eine 1976er Riesling Auslese sein, die ein Winzer anbot: Ein Jahrhundertwein allererster Güte.

 

Inzwischen haben sich selbst die Winzer an den Anblick eines Bierstandes auf dem Kirchweihfest gewöhnt. „Damit haben wir kein Problem“, sagt Gerstadt, „denn wir wollen, dass sich auf unserem Fest alle wohl fühlen, auch die, die vielleicht keinen Wein mögen und sonst zu Hause bleiben würden.“

 

 

 

2002 Die Madonna im Rathaus

 

Bei den Renovierungsarbeiten im Rauenthaler Rathaus, das im Jahr zuvor in Privatbesitz übergegangen ist, fand man in einer Grube eine Madonnen-Figur. Die Figur muss infolge des Angriffs der Schweden in den 1630er Jahren dort versteckt worden sein. Bis heute wird noch der Kopf des Jesuskindes gesucht.

 

 

 

2015 Die Idee des „Mail-Läutens“

 

wird wieder gefeiert: man trifft sich freitags im Mai unter den Linden am Kirchplatz und lauscht dem Mai-Läuten um 20 Uhr. Dabei kommt die Idee auf, eine der – im Weltkrieg verschütt gegangenen – Glocken wieder auferstehen zu lassen. Was ein guter Schluck Riesling doch so alles bewirkt…

 

 

 

2019 Rauenthal feiert seine 325. Kerb

 


Einem Hinweis in den Büchern der katholischen Kirche folgend, feierte man in Rauenthal zum 325. Mal das Rauenthaler Kirchweih- und Weinfest. Zum Jubiläum bot der Traditionsverein ein Weinglas und eine Digitaluhr mit Gravur zum Verkauf an.

 


Viel Aufmerksamkeit erregte auch der Jubiläumsumzug am Kerbe-Samstag: Hauptstraße und Martinsthaler Straße waren bis zum Festplatz „Unter den Linden“ gesäumt von Zuschauern, als sich der festliche Lindwurm durch die Gassen schlängelte.

 

Im Nachhinein stellte sich – aufgrund weiterer Recherchen heraus – dass man im Jahr 2019 ‚eigentlich‘ bereits zum 555. Mal die Kerb hätte feiern müssen.

 

 

2016 Das Tretbecken wird umfangreich saniert und um einen Barfußpfad erweitert

 

 

 

 

2016 Der Neubau der Kita St. Michael wird eingeweiht

 

Am 4. Juni 2016 wird der Neubau der Kita St. Michael eingeweiht. Vorausgegangen war ein Rechtstreit, der durch ein Bürgerbegehren ausgelöste wurde, das den Neubau verhindern wollte. Dieses scheiterte vor Gericht, aber die Bauarbeiten verzögerten sich dadurch um eineinhalb Jahre. Weil das Bistum Limburg, die Stadt Eltville und die Pfarrgemeinde St. Antonius Eremita an einem Strang zogen, konnte die Vision einer neuer Kita in Rauenthal umgesetzt werden. „Hier haben die Kinder eine große Lobby“, schrieb das Rheingau Echo.

 

 

 

 

 

 

 


2020 Die Corona-Pandemie

 


Bedingt durch den Ausbruch der Corona-Pandemie in Deutschland im März 2020, fällt das Rauenthaler Kirchweih- und Weinfest – wie sämtliche Feste und Veranstaltungen weltweit! – aus. Als Alternative hierzu, werden „Kerbe-Pakete“ am eigentlichen Kerbe-Samstag verteilt.

 

Diese Pakete beinhalteten – je nach Bestellung – 2 bis 9 Flaschen Wein, eine Tüte gebrannte Mandeln, eine Kiste mit Schokoküssen, Kugelschreiber und (bei der großen 9er „Lagen-Kiste“) eine Armbanduhr vom Jubiläumsjahr 2019. Die Kisten wurden mit Traktoren und Anhängern – bunt geschmückt und mit Musik aus der Box – im ganzen Ort verteilt.

 

Einzig das Kultur- und Tagungshaus schafft es mit seiner Idee der
„Musik uff’de Gass“ in dieser trost- weil festlosen Zeit wieder etwas Stimmung auf die Straße zu bringen.

 

 

2021 Kloster Tiefenthal wird geschlossen

 

Am 12. Juni 2021 wurden die letzten zehn, in Tiefenthal lebenden Schwestern vom Orden der Armen Dienstmägde Jesu Christi im Kloster verabschiedet.

 

 

 

2021 Kirchengestühl für die Fatima-Kapelle

 

Aus einer Kirche in Bad Nauheim werden von Mitgliedern des Vereins „Förderkreis Kulturdenkmäler Rauenthal“ Kirchenbänke abgeholt.

 

 

 

Diese sollen – nach entsprechender Bearbeitung – für die geplante Fatima-Kapelle an der Bubenhäuser Höhe genutzt werden.

 

2022 Die Vorbereitungen beginnen: „Jubiläum 750 Jahre Rauenthal im Jahr 2024“

 

14. Dezember 2022: Im Frühstücksraum des Weinhauses Engel – Weingut Albus trifft der Ortsvereinsring Rauenthal sich zum ersten Mal, um die Planungen für die Feierlichkeiten zu beginnen. Noch ahnt niemand, was hier alles auf die Beine gestellt werden soll…

 

 

2024 Jubiläum „750 Jahre Rauenthal“

 

Das Jubiläum wird vom Ortsvereinsring Rauenthal groß gefeiert! Von der akademischen Feier am 10. Mai bis zum großen Festumzug am 19. Mai 2024 mit Feuerwerk wird das Jubiläum an mehreren Events feierlich begangen. Nachfolgend finden Sie das Programm und eine Auswahl an Fotos von diesem Fest. Die QR-Codes am Ende dieses Buches, leiten Sie zu weiteren Bildern und Videos dieser Veranstaltungen.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 


 

 


Letzte Besprechung vor der Weinprobe im Winzerhaus:
v.l.n.r. Stefan Albus, Uwe Rußler, Toni Wagner, Julian Faust, Matthias Klein, Dr. Nik Wagner und Oliver Bock

Nicht im Bild: Rainer Scholl, Dr. Jan Russler, Andreas Wölfel, Philipp Wölfel und Michael Klein

Noch recht schmucklos: Aufbau in der historischen Winzerhalle

 

Ulrich Quetscher und Dr. Nik Wagner

   © alle Bilder der akademischen Feier von Christa Kaddar

 

 

[1] Vgl. Kutsch, Ferdinand: Frühlaténe-Grabhügel und „Michelsberger“ Grube bei Rauenthal. Nassau.Ann. 48, 1927, 50-64

[2] Vgl. Lehmann, Siegfried: Rauenthal – Chronik eines Rheingauer Weinbaudorfes. Gießen.

[3] Ebenda S. 64

[4] Ebenda S. 19

[5] Staatsarchiv Würzburg, Signatur „Mainzer Urkunde 2510“

[6] Wagner, Hans: Das Rauenthaler Bergrecht, in: Rheingau Forum 2/2004

[vii] Schunk, Johann Peter: Beyträge zur Mainzer Geschichte mit Urkunden Bd. II, Mainz und Frankfurt 1789, S. 430ff Die Weinmärkte zu Rauenthal im XVII und XVIIIten Jahrhundert

[viii] Rosse, Karl (Hg.): Urkundenbuch der Abtei Eberbach im Rheingau. 2. Bd, 1. Abt. Wiesbaden 1865, S. 618

[ix] Wagner, Hans in: St. Antonius Eremita, 500 Jahre Mittelpunkt Rauenthals, Hrsg. Katholische Pfarrgemeinde Rauenthal, S. 21ff.

[x] Würdtwein, Stephan Alexander: Dioecesis Moguntina Commentatio Sexta de Archidiaconatu Ecclesiae Collegiata S. Mauritii Mogunt. É Documentis Originalibus Et Authenticis Eruata, S. 376f.

[xi] Wagner, Hans in: St. Antonius Eremita, 500 Jahre Mittelpunkt Rauenthals, Hrsg. Katholische Pfarrgemeinde Rauenthal, S. 39

[xii] Zaun, J.: Beiträge zur Geschichte des Landcapitels Rheingau und seiner vierundzwanzig Pfarreien, Wiesbaden 1879, S. 106ff.

[xiii] Vgl. Kratz, Werner: Eltville. Baudenkmale und Geschichte. Bd. II. Eltville 1962, S. 82f.

[xiv] Ebenda S. 85

[xv] Rheingau-Taunus-Kreis, Einleitung (Yvonne Monsees), in: inschriften.net

[xvi] Wagner, Hans in: St. Antonius Eremita, 500 Jahre Mittelpunkt Rauenthals, Hrsg. Katholische Pfarrgemeinde Rauenthal S. 32f

[xvii] Struck, Wolf-Heino: „Der Bauernkrieg am Mittelrhein und in Hessen“ in: Veröffentlichungen der Historischen Kommission für Nassau, Band 21. Wiesbaden 1975

[xviii] HHStAW 108/3471

[xix] Die historischen Kirchenbücher von Rauenthal wurden von Harald Jahn transkribiert und sind zu finden unter: www.rauenthaler-traditionsverein.de/heimatpflege

[xx] Hans Wagner +, geborener Rauenthaler, Winzer und ehemaliger Eigentümer des „Weinhaus Engel“ hat sich als Heimatforscher mit der eigenen Familienchronik und der Rauenthaler Geschichte beschäftigt und viele Schriften dazu veröffentlicht.

[xxi] Lagerbuch 1660, Gemeindearchiv Rauenthal Fb-Nr. 35

[xxii] Wagner, Hans in: St. Antonius Eremita, 500 Jahre Mittelpunkt Rauenthals, Hrsg. Katholische Pfarrgemeinde Rauenthal, S. 55

[xxiii] Wagner, Hans in: St. Antonius Eremita, 500 Jahre Mittelpunkt Rauenthals, Hrsg. Katholische Pfarrgemeinde Rauenthal, S. 61

[xxiv] Rauenthaler Geschichten, Band 1

[xxv] Annalen des Vereins für Nassauische Altertumskunde und Geschichtsforschung, 19. Bd. Wiesbaden 1885/86, Kap. XII, S. 136ff

[xxvi] Rauenthaler Kirchenbuch Bd. I, S. 467

[xxvii] Jurisdictionalbericht Bender 1786, HHStAW 108/2618

[xxviii] Erbacher Gerichtsbuch (nach Dr. Genth Der Überfall in Schlangenbad im Jahre 1709 und der Schultheiß Georg Johann Hoffmann zu Rauenthal, 1885, S. 12)

[xxix] Schunk, Johann Peter: Beyträge zur Mainzer Geschichte mit Urkunde. Bd. 3, S. 192

[xxx] Schulchronik Bd. I Gemeindarchiv Rauenthal

[xxxi] Berger, Ludwig: Wir sind vom gleichen Stoff aus dem die Träume sind. Summe eines Lebens. Wunderlich Tübingen 1953

[xxxii] Bongartz, Sabine (Hg.): Es trug sich zu im Schlangenbade, Schlangenbader Geschichten, Bd. 1 S. 79 Die zu Wasser gewordene Eselspartie Aus: Bettina von Arnim, Eine Episode aus Schlangenbad (Ausschnitt aus einem Brief an ihre Freundin, die Stiftsdame Karoline von Günderode)

[xxxiii] Rheingauer Beobachter Nr. 10, Eltville 1. Februar 1899

[xxxiv] Vgl. Vogel, Christian Daniel: Beschreibung des Herzogthums Nassau, Wiesbaden 1843

[xxxv] Simrock, Dr. Karl: Das malerische und romantische Rheinland, Leipzig 1851, S. 280f.

[xxxvi] Gräfin Sztaray, Imra: Aus den letzten Jahren der Kaiserin Elisabeth. Wien 2004. ISBN-978-3-8496-6646-0

[xxxvii] Rheingauer Beobacher 19.2.1899

[xxxviii] Wiesbadener Tagblatt, Dienstag, 17. Mai 1904, S. 2f.

[xxxix] Zeitschrift „Erzähler vom Westerwald“ 29.8.1911

[xl] Rheinische Volkszeitung vom 28.3. 1914

[xli] Rüdesheimer Anzeiger vom 10.3.1914

[xlii] Nassauischer Anzeiger vom 30.5.1916

[xliii] Lahnsteiner Tageblatt vom 3.2.1917

[xliv] Rheinische Volkszeitung vom 12.5.1917

[xlv] Eltviller Nachrichten vom 9.3.1918

[xlvi] Der Spiegel 10/1951 Kriegsgräber Im Gummisack

[xlvii] Gemeindearchiv Schatzungs-, Bürger- und Einwohnerlisten

[xlviii] Flüchtlinge in Rauenthal, Jahn, Harald Texte

 

Alle weiteren Bilder aus dem Archiv von Herbert A. Klein, Rauenthaler
Traditionsverein e.V.

 

Hier geht es zu weiteren Informationen, Fotos und Videos anlässlich der
Feierlichkeiten:

 

                 

   www.rauenthal.org                        www.rauenthaler-traditionsverein.de

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

750 Jahre Rauenthal

 

Texte, Geschichten und Bilder
aus 750 Jahren Ortsgeschichte
von 1274 bis 2024

 

Redaktions-Team:

Michael M. Klein

Ulrich Quetscher

Jutta Scholl

Thomas Weinert

 

Satz und Layout: Michael M. Klein

 

Umschlagbild

Rauenthaler Kirche St. Antonius Eremita

Aufgenommen aus der Reitschulgasse

65345 Eltville-Rauenthal © Michael M. Klein

 

Rückseite

Drohnenbild, aufgenommen am Weinprobierstand,

19. Mai 2024, © Oliver Gebauer

 

© 2024 Rauenthaler Traditionsverein e.V.

Weinbergstraße 3 – 65345 Eltville-Rauenthal

 

Herstellung und Verlag:

WIRmachenDRUCK GmbH

Mühlbachstr. 7, 71522 Backnang

www.wir-machen-druck.de

Printed in Germany

1. Auflage - 2. August 2024 – 150 Exemplare

2. korrigierte Auflage – 1. Oktober 2024 – 100 Exemplare

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